ALS-Akademie

ALS-Akademie - Was ist das?

Der Start dieser neuen Reihe im Mai 2001 übertraf alle Erwartungen. Ca. 150 Zuhörer, bunt gemischt aus Schülern, aktiven und pensionierten Lehrern, jüngeren und älteren Ehemaligen, fanden sich im Musiksaal der Alten Landesschule ein, um in ansprechendem Rahmen den Vortrag eines Ehemaligen zu hören. Welche Idee steckt dahinter?

Vorträge/Referate älterer oder jüngerer Ehemaliger an der ALS über interessante Inhalte von Examens-/Diplom-/Doktorarbeiten/Forschungsprojekten/Berufserfahrungen (selbstverständlich sollten auch Nichtakademiker eingeschlossen sein!) mit dem Titel "ALS-Akademie": Ehemalige Schüler referieren an der ALS interessierten Schülern, Lehrern, Eltern und anderen Ehemaligen über Interessantes aus ihrem Studium, ihren Forschungen, ihrem Beruf.

  • Schüler erhalten dadurch einen realistischen Ausblick auf die Zeit nach dem Abitur
  • Lehrer erhalten Rückkopplungen über die Tragfähigkeit der Ausbildung an der ALS und vermutlich sogar Fortbildung durch ehemalige Schüler
  • die Referenten finden Gelegenheit, ihre (stolz errungenen) Erkenntnisse weiterzugeben
  • Alle Zuhörer erhalten Einblicke in aktuelle Themen aus Wissenschenschaft und Forschung auf einem dem Gymnasium angemessenen Niveau
  • Beteiligte aller Generationen haben einen gemeinsamen Treffpunkt

Ob die ALS-Akademie vormittags oder abends stattfindet, wird je nach den Inhalten und Zielen des Vortragenden festgelegt werden. Der Verein wird hierfür Sachkosten wie z.B. Fahrtkostenzuschüsse übernehmen.

Vortragende zu finden ist nicht immer leicht. Zwar haben wir schon einige Angebote gesammelt, die noch weiter konkretisiert und terminiert werden müssen, jedoch dürfte es auf Dauer schwer werden kontinuierlich weiter zu arbeiten, wenn mögliche Referenten aus sympathischer, aber hier eher hinderlicher Bescheidenheit heraus darauf warten, vom Vorstand angesprochen zu werden. Bitte melden Sie sich (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) wenn Sie etwas Interessanten vorzutragen haben - dass wir Sie noch nicht angesprochen haben, hat nichts Negatives zu bedeuten!

Die ALS-Akademie ist eine Veranstaltung der ALS und des Vereins der Ehemaligen Korbacher Gymnasiasten.

Der Eintritt ist kostenfrei.

47. ALS-Akademie: Dirk Kupfernagel referiert am 24.11.2014 über "Justiz in Berlin - Gerichtsverhandlungen an geschichtsträchtigen Orten"

 

Das Gebäude des Landgerichts Berlin in der Nähe des Alexanderplatzes vom Beginn des 20. Jahrhunderts beherbergte zu DDR-Zeiten das Oberste Gericht der DDR, dessen Präsidiumssaal weiterhin genutzt wird; entsprechendes gilt für das Büro der Präsidenten des Obersten Gerichts der DDR. Das Kammergericht (Oberlandesgericht für das Land Berlin) war Schauplatz der Prozesse vor dem sog. Volksgerichtshof gegen die Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944. Später tagte dort der Alliierte Kontrollrat. Daher konnte das Kammergericht sein Gebäude erst Mitte der 90er Jahre wieder beziehen. Diese beiden Gerichtsgebäude und deren Geschichte sollen den Schwerpunkt der Veranstaltung ausmachen.

Daneben werde ich kurz auch das Kriminalgericht in Berlin-Moabit (Strafkammern des Landgerichts Berlin und Amtsgericht Tiergarten, wo ich allerdings nie aktiv im Einsatz war) erwähnen, weil über die Zeiten hinweg wichtige Strafprozesse verhandelt wurden (in der Weimarer Republik war u.a. Hitler als Zeuge vorgeladen; Prozesse gegen Honecker während des Nationalsozialismus und in den 90er Jahren). Schließlich hat die Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz, das Justizministerium des Landes Berlin, seinen Sitz neben dem Rathaus Schöneberg, wo Kennedy seine berühmte Rede hielt („Ich bin ein Berliner“).

Dirk Kupfernagel"

46. ALS-Akademie: Dr. Thomas Sandkühler referierte am 2.10.2014 über den"1. Weltkrieg".

Dr. SandkühlerWiederholt sich Geschichte? Und kann man aus ihr lernen? Viele Details der aktuellen Ukraine-Krise erinnern an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren. „Wieder haben wir einen regionalen Konflikt in Europa, der zu eskalieren droht. Wieder spielen Partisanenkrieg, Propaganda und Kriegslügen eine große Rolle. Gesucht wird eine ordnende Hand, die den Konflikt entschärft. Die Muster scheinen sich zu wiederholen“, sieht Prof. Dr. Thomas Sandkühler Parallelen. Der Historiker der Berliner Humboldt-Universität hielt vor den angehenden Abiturienten der Alten Landesschule einen Vortrag über den Ersten Weltkrieg.

Sandkühler, bis 2009 selbst an der ALS tätig, folgte der Einladung von Geschichtslehrer Johannes Grötecke und referierte im Rahmen der Reihe „ALS-Akademie“. Dabei spannte er einen weiten Bogen von der Vorgeschichte und den Ursachen des Ersten Weltkrieges über dessen Verlauf und Bewertung bis hin zur Aktualität des Geschehens. Die Wurzeln dieser „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ lägen im Imperialismus, der Aufrüstung und der Bündniskonstellation des 19. Jahrhunderts. Die Einkreisungsängste beteiligter Akteure und das Gefühl, im imperialen Ringen zu kurz zu kommen, hätten zu einer verhängnisvollen Dynamik geführt. Die Kriegspropaganda, neuartige Waffensysteme, industrialisiertes Massenmorden und eine exzessive Gewaltbereitschaft machten den militärischen Konflikt zum ersten modernen Krieg der Geschichte.

In Frankreich und Großbritannien sei dieses Ereignis als „großer Krieg“ in der öffentlichen Erinnerung bis heute stark verankert. In Deutschland dagegen dominiere das Gedenken an den Zweiten Weltkrieg. Hier stelle sich die Frage, ob das Land aufgrund seiner Rolle in beiden Weltkriegen nicht eine besondere Verantwortung in der heutigen Politik zu tragen habe. Allerdings gibt sich der Historiker skeptisch, ob Deutschland die Rolle als ordnende Macht in Europa und der Welt anstreben solle und könne.

Die Vortragsform im Stile einer universitären Vorlesung stieß bei den ALS-Schülern auf ein geteiltes Echo. Zwar bereite dies auf das Studium vor, allerdings erfordere es auch Konzentration und Vorwissen. Eine gute Wiederholung fürs anstehende Abitur und eine ganz besondere Geschichtsstunde war die Veranstaltung aber allemal.

Johannes Grötecke


45. ALS-Akademie: Ingeborg Linder referierte am 3.4.2014 über "Korbach nach dem Krieg".

Ingeborg Linder aus Berlin berichtete im April 2014 vor den beiden Geschichts-Leistungskursen im Abiturjahrgang über ihr Aufwachsen in Korbach. Aus Ostpommern kam sie als Flüchtling gegen Kriegsende ins Waldecker Land. Vor allem die Zeit an der Alten Landesschule (1946-1955) ist ihr in Erinnerung.

Linder Klein

Anschaulich erzählte Frau Linder vom  Mangel der Nachkriegszeit, ablesbar etwa am Mangel an Raum (die ALS wurde noch als Lazarett genutzt, so musste man in die Berufsschule, heute Stadtbücherei, ausweichen) oder Mangel an Papier (in Ermangelung von Schulbüchern schrieb man oft von der Tafel ab und auf alte Feldpostbriefe oder auf die Rückseiten schon beschriebenen Papiers). Damals besuchten etwas über 500 Schüler die ALS, nur etwa ein Drittel davon waren weiblich. Gut in Erinnerung sind ihr der ehemalige Schulleiter Dr. Alfred Ehrentreich, ein engagierter Reformpädagoge, und die zahlreichen internationalen Kontakte der Schule, die schon so kurz nach Kriegsende möglich waren und halfen, alte Feindbilder abzubauen.

Die ehemalige Lehrerin und mehrfache Buchautorin verbindet noch immer viel mit Korbach, seiner Schule und ihren ehemaligen Pädagogen: „Es war eine Zeit des Mangels, aber auch der Freude. Die Lehrer haben sich damals wirklich Mühe mit uns gegeben, und wir haben sie zum Teil verehrt“, so die 79-Jährige.

Johannes Grötecke

 

44. ALS-Akademie: Sabine Schneider referierte am 26.8.2013 über "ihren Werdegang".

43. ALS-Akademie: Friedrich Christian Delius referierte am 21.3.2013 über die "Nachkriegszeit, die 68er und den RAF-Terrorismus".

Im Rahmen der diesjähriges ALS-Akademie bekamen die Schüler der Jahrgangsstufe 11 die Möglichkeit, sich mit einer Vielzahl von Fragen an den renommierten Schriftsteller Friedrich Christian Delius zu wenden. Hierbei reichte das Fragenspektrum von literarischen Fragen über Fragen zur von dem Georg-Büchner- Preisträger selbst erlebt und aufgearbeiteten 68er-Revolution bis hin zu Fragen über das persönliche Leben.

Mit prägnanten Formulierungen und einer Prise Humor stellte sich Delius der Fragenlawine und verschaffte so den Schülerinnen und Schülern einen umfassenden Einblick in das Leben eines freien Schriftstellers.

Beeindruckend ist für jeden Schüler immer wieder die Vielfalt der möglichen Werdegänge, welche mit dem Abitur an der ALS ermöglicht werden.

Neunzig informative und interessante Minuten, aus welchen vor allem eine Aussage des Herrn Delius hervorsticht:

Ohne Literatur
bleiben die Menschen dumm.

Johanna-Tabea Schirmer


 

42. ALS-Akademie: Prof. Dr. Friedhelm Rost referierte am 27.2.13 über "Das Bundesarbeitsgericht und die Arbeitsgerichtsbarkeit in Deutschland".

rost

„Macht Euch nicht so viele Sorgen über die eigene Lebensplanung. Aufgrund meiner eigenen Erfahrung kann ich Euch sagen: Das ganze Leben besteht aus Zufällen“, ermunterte Prof. Friedhelm Rost die Schüler der Alten Landesschule. Eingeladen von Lehrer Johannes Grötecke, sprach Rost vor Politik-Kursen der Oberstufe (Q 2) im Rahmen der Reihe „ALS-Akademie“. Neben Glück benötige man freilich auch noch gute Sprachkenntnisse, die Fähigkeit zum logischen Denken, gute Menschenkenntnis und Spaß am Rechtswesen. „Lasst Euch nicht abschrecken von juristischen Fachtexten und durchschnittlichen Noten während des Studiums. Denn in Wahrheit gibt es kein akademisches Fach, das so nah am wirklichen Leben ist“, warb der 68-Jährige für seine Profession.

Seine Überzeugung belegte Rost mit vielen Beispielen. Etwa 500.000 Klagen erreichen die deutschen Arbeitsgerichte jedes Jahr. Typische Beispiele schilderte der Referent: Ist eine Lehrerin noch tragbar, wenn sie laute Schüler durch das Zukleben des Mundes „ruhigstellt“? Darf einem Arzt, der in einem Krankenhaus in christlicher Trägerschaft arbeitet, gekündigt werden, weil er sich scheiden lässt und ein zweites Mal heiratet? Darf man einem Bewerber eine Arbeitsstelle verwehren, weil er dafür angeblich zu alt ist? Muß man beim Einstellungsgespräch auf die Frage nach einer möglichen Schwangerschaft antworten?

Viele solcher Streitfälle werden in so genannten Güteverhandlungen unter Beteiligung von ehrenamtlichen Richtern geklärt. „Die allermeisten Verfahren enden mit Vergleichen, daher gibt es relativ wenig Urteilssprüche“, so Rost. Das sei eine Stärke der Arbeitsgerichte, denn durch diesen Ausgleich der Interessen könnten beide Seiten ihren Streit in beiderseitigem Einvernehmen beilegen.

Auch wenn das europäische Recht- vertreten durch den Europäischen Gerichtshof in Luxemburg und den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg- immer wichtiger werde, sei so manches im Berufsalltag des Arbeitsrichters gleich geblieben - etwa die Kleidung, bestehend aus Robe, dem weißen Hemd und dem Binder. Einen gewissen Knigge erwarte man auch von den Verfahrensbeteiligten. Allerdings könne es auch begründete Ausnahmen geben, etwa wenn ein Arbeitnehmer gerade von der Schicht komme und daher im Blaumann vor Gericht erscheine.

Die Schüler fragten den prominenten Experten abschließend nach den beruflichen Möglichkeiten. „Wenn man sich für das Rechtswesen interessiert, kommt man auch unter, etwa als Richter, Staats- oder Rechtsanwalt und in der freien Wirtschaft. Man muß nur zum rechten Zeitpunkt am rechten Ort sein“, brachte Rost seine Devise auf den Punkt. Eingeladen hatte ihn Johannes Grötecke, Lehrer an der ALS.

Zur Person:

Friedhelm Rost wurde 1944 geboren und wuchs in Diemelsee-Wirmighausen auf. 1963 bestand er sein Abitur an der Alten Landesschule in Korbach und studierte Jura an den Universitäten in Marburg und Göttingen. Bis 2009 arbeitete er -zuletzt als vorsitzender Richter- am Bundesarbeitsgericht, zunächst in Kassel, später in Erfurt. Noch immer lehrt er als Honorarprofessor an der Philipps-Universität in Marburg.

Johannes Grötecke


41. ALS-Akademie: Jörg Kleine referierte am 21.11.12 über "Im Netz der Informationen".

kleineportrait

Jörg Kleine ist Chefredakteur der WLZ

Welche Bedeutung hat das Internet für Lokaljournalismus und Demokratie? Und welche Erkenntnisse können Schüler für sich selbst daraus ziehen? Einige Anregungen gab WLZ-FZ-Chefredakteur Jörg Kleine im Rahmen der ALS-Akademie.

In unregelmäßigen Abständen holt Schulleiter Robert Gassner Absolventen zurück an die Alte Landesschule. Professoren, Ingenieure oder Fernsehmoderatoren berichten den Schülern aus der Berufswelt und wie alles in Korbach begonnen hat.. Gestern war der Chefredakteur der Waldeckischen Landeszeitung und der Frankenberger Zeitung, Jörg Kleine, als Gastredner in der Aula.

Der 49-jährige nahm rund 150 Zuhörer - vor allem Schüler, aber auch Interessierte und Ehemalige, mit auf eine Reise durch die Geschichte der WLZ. Vom Bleisatz zum Flachdruck, vom Fotolabor zur Digitalfotografie. Die Zuhörer bekamen einen Eindruck, wie sich die Zeitungsbranche in 125 Jahren verändert hat - und auch, wie Jörg Kleine selbst seine Ansichten änderte. Nach dem Studium (Geografie, Geschichte, Volkswirtschaft) war zunächst der überregionale Journalismus sein Wunsch. Letztlich führte es ihn doch zurück nach Korbach - ohne dass er es je bereut hätte.

Im Gespräch mit den Jugendlichen ging der Chefredakteur auf eine Entwicklung ein, die sowohl die Gesellschaft als auch die Medienbranche betrifft: das Internet. Dort stießen Nutzer auf einen "Dschungel der Informationen". Ungefiltert würden im Netz Auch falsche Informationen verbreitet.

Deshalb riet Kleine den Schülern, Fakten zu überprüfen und ständig kritisch zu hinterfragen - Eigenschaften, die auch für das Studium von Bedeutung seien. Denn die fehlende Einordnung, welche Nachrichten wichtig sind, führe zu weniger politischer Kompetenz und somit auch zu weniger Teilhabe an Gesellschaft und Demokratie.

Auch im Bezug auf Meinungsfreiheit und Urheberrecht wies Kleine auf die Gefahren im Internet hin: "Hängt Euer Privatleben nicht überall an die große Glocke, es könnte Euch noch mal einholen."

In der anschließenden Diskussion stellten die Zuhörer Fragen zur Arbeit bei einer lokalen Tageszeitung. Dabei zeigte sich, dass Jugendliche sich für lokale Themen interessieren, auch wenn sich das in den Leserzahlen bei deutschen Tageszeitungen nicht direkt widerspiegelt. Jörg Kleine wollte mit dem Vortrag die Neugier für Nachrichten ein wenig wecken.

Aus WLZ-FZ vom 22.11.2012

Präsentation als PDF-Dokument:


40. ALS-Akademie: Jan-Martin Speer referierte am 5.10.12 als Profi-Bobfahrer

Einen weiteren prominenten Gast und erfolgreichen Sport-1er begrüßt die Alte Landesschule (ALS) in Korbach zu ih­rer Vortrags­reihe: Der aus Wirmighau­sen stammen­de Bobfahrer Jan Martin Speer wird am Freitag, 5. Ok­tober, in der Jan Martin ALS-Akademie Speer über seine Kar­riere als professioneller Bob­fahrer berichten.

Ehe er Anschieber beim Bobfahren wurde, war Speer unter anderem als Leichtath­let bei der LG Diemelsee aktiv. Im Jahr 2009 wurde er Deut­scher Juniorenmeister im Vie­rerbob und nahm des Weite­ren an zwei Weltmeisterschaf­ten im Bobsport teil.

Präsentation als PDF-Dokument:


39. ALS-Akademie: Wilhelm Schluckebier referierte am 25.6.12 über:
Das Bundesverfassungsgericht

Ein Bericht mit Foto aus der HNA (Julia Schnatz) ist hier zu lesen:


38. ALS-Akademie: Dr. Bodo Flake referierte am 7.3.12, über:
Nahtoderfahrung - Was kommt nach dem Tod?

flake

Von Frau Heike Chrobacsinky und Frau Carina Pöttner organisiert, fand die erste Veranstaltung der ALS-Akademie 2012 statt. Die Lehrerinnen, beide vom Verein der Ehemaligen, hatten Herrn Dr. Flake, einen ehemaligen ALS-Schüler, eingeladen. In unregelmäßigen Abständen bietet die Alte Landesschule in gemeinsamer Trägerschaft mit dem Ehemaligenverein des Korbacher Traditionsgymnasiums in der ALS-Akademie Vorträge ehemaliger Schüler an, die über ihren Beruf, ihre wissenschaftlichen Veröffentlichungen oder über interessante Themen aus ihrem Tätigkeitsfeld referieren.

Herr Dr. Flake referierte vor Schülern und interessierten Bürgern in der prall gefüllten Aula der Schule zum Thema: "Nah-Tod-Erfahrungen - Ewiges Bewusstsein" und leitete seinen Vortrag mit den Worten ein: "Sicher lässt sich das Thema in 90 Minuten nicht erschöpfend darstellen, aber wenn nur zwei Teilnehmer dieser Veranstaltung die Aula mit etwas weniger Angst vor dem Tod verlassen, ist viel erreicht."

Der Palliativmediziner aus Willingen stellte zunächst die Erfahrung betroffener Menschen und die Auswirkung auf ihr Leben dar und zeigte, dass derartige Erfahrungen weit häufiger sind, als man zunächst annehmen würde.

Die Teilnehmer der Veranstaltung, Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen und der Q-Phase sowie einige Gäste, waren sichtlich beeindruckt.

Dann beleuchtete Herr Dr. Flake den derzeitigen naturwissenschaftlich medizinischen Erkenntnisstand der Erforschung dieses Phänomens. Er berief sich dabei auf Arbeiten von Raymund Moody, Pim van Lommel und Janice Holden. Gleichzeitig verwies er aber auch auf die Grenzen bisheriger Forschungsansätze und sah eine Chance, unseren Horizont diesbezüglich zu erweitern, wenn Erkenntnisse moderner Quantenphysik in die bisherigen Überlegungen einbezogen, wenigstens aber als Modell zum Verstehen des Phänomens herangezogen würden. Leider reichte die Zeit nicht für eine vertiefte Betrachtung an dieser Stelle und hätte wohl auch das Schülerpublikum überfordert.

Die Schülerinnen und Schüler waren schon sehr gefordert dem anschaulichen, aber sehr anspruchsvollen Vortrag zu folgen.

Als Schulleiter und als Vorsitzender des Ehemaligenvereins bedankte sich am Schluss Herr Gassner im Namen der Teilnehmer für den sehr wissenschaftlichen, aufschlussreichen aber auch emotional berührenden Vortrag.

Beeindruckt waren die Schülerinnen und Schüler auch von der Geschwindigkeit des Eintretens irreparabler Schäden im Falle eines Herzstillstandes. Mehrheitlich erklärten sie in Gesprächen nach der Veranstaltung, an einem Kurs, der die Maßnahmen zur Wiederbelebung zum Inhalt hätte, teilnehmen zu wollen. Auch die Stationierung eines Defibrillators an der ALS wurde angeregt.

Eine Wiederholung der Veranstaltung zu einem Zeitpunkt, an dem auch ein Raum für Fragen bleibt, und dessen Bekanntgabe in der Presse wurden nach der Veranstaltung mehrfach gewünscht.

Hans-Joachim Weis

Dr. Bodo Flake:

Ich habe 1969 Abitur gemacht. Studium der Chemie nach der Bundeswehr in Marburg mit Diplomabschluss 1977 und Promotion 1983. Medizinstudium in Marburg mit Approbation als Arzt 1982. Facharzt für Anästhesiologie 1987. Facharzt für Allgemeinmedizin 1995.

Seit 1988 in eigener Praxis in Willingen niedergelassen.


37. ALS-Akademie: Arne Dyck referierte am 1.4.11, 9.50 Uhr über:
Windenergie - Technik, Zukunft und Jobpotential eines regenerativen Energieträgers

dyck

"Performance Engineer" Arne Dyck spricht über die Nutzung von Windenergie

Über die Nutzung von Windenergie in Deutschland und Europa berichtete der ehemalige Schüler der Alten Landesschule, Arne Dyck, im Rahmen der ALS-Akademie.

Der Abiturient stieg mit dem Lied "Wind Of Change" (Scorpions, 1990) in seinen Vortrag "Windenergie - Technik, Zukunft und Jobpotenzial eines regenerativen Energieträgers" ein und erzählte von seinem Werdegang nach dem Abitur in Korbach, über den Zivildienst und das Maschinenbaustudium bis hin zur Arbeit in der Windbranche bei "Vestas Central Europe".

Mit der Holländer Mühle, einer Holzwindmühle, entstanden im 12. Jahrhundert, gewann die Nutzung der Windkraft in der Technik mehr und mehr an Bedeutung. Das legendäre Windrad "Growian" (1983) führte durch seinen anfänglichen Misserfolg zu einer erfolgreichen Weiterentwicklung in der Windbranche. Heute beträgt die erwartete Lebensdauer einer Anlage circa 20 Jahre.

Dyck wies darauf hin, dass die Windressourcen in Deutschland noch effektiver genutzt werden könnten. Die USA nutzten beispielsweise größere Flächen und bestückten einen Windpark mit rund 300 Anlagen. In Deutschland würden in der nächsten Zeit weniger, aber deutlich größere Anlagen gebaut. Erfolgversprechend seien auch die Offshore Parks, da sie zum einen keine Landschaften zerstörten und zum anderen bessere Windverhältnisse nutzten.

Arne Dyck ging auch auf die Verdienstmöglichkeiten in der Branche ein, die er am Beispiel des "Windmüllers" erläuterte. Als Anfangsvergütung verdiente dieser im Jahr 2009 durchschnittlich 13 ct/KWh mit Offshore Parks und 9,2 ct/KWh mit Onshore Parks. Bis sich die Investitionen von mehreren Millionen Euro rentieren, vergehen einige Jahre.

Um auch die Technik der Windanlagen zu verstehen, gab der "Performance Engineer" einen Einblick in den Aufbau eines Windrades, das sich aus Fundament, Turm (ca. 140 m hoch), Maschinenhaus, Rotorsystem, Kühler und drei Rotationsblättern zusammensetzt. Die Anzahl der Rotationsblätter ergebe sich dadurch, dass eine gerade Anzahl aerodynamisch instabil und fünf Blätter zu aufwendig wären. Ein Rotationsblatt ist 40 bis 50 Meter lang, dreht sich sechs- bis 19-mal pro Minute und erreicht eine "Spitzen"-Geschwindigkeit von bis zu 250 km/h.

Angesichts der Ereignisse in Japan sprach sich der Referent entschieden für weitere Schritte zur Nutzung sauberer Energielieferanten wie Wind, Wasser und Sonne aus.

Nadine Walkenhorst, WLZ

Arne Dyck hat 1999 an der ALS sein Abitur abgelegt.

10/2000 - 12/2006 Studium des allgemeinen Maschinenbaus an der Technischen Universität Darmstadt Studienschwerpunkt: Produktionstechnik

Diplomarbeit am Institute for Marine Technology (IMT) der „Norsk Teknisk Naturvitenskapelige Universitet“ (NTNU) in Trondheim/Norwegen mit dem Thema:“ Active and Passive Vibro-Acoustic Monitoring of Subsea Installations and Pipelines“

Abschluss: Diplom-Ingenieur (12/2006)


36. ALS-Akademie: Prof. Dr. Dr. Axel Wilke referierte am 10.11.10, 19.30 Uhr über:
Phänomen Rückenschmerz

wilke

Es zwickt und zwackt

Der Rückenschmerz ist eines der größten Volksleiden unserer Zeit. Gerade, weil er nicht nur körperlich, sondern auch psychisch bedingt ist.

Einige Ursachen, Behandlungsmethoden und Vorbeugungsmöglichkeiten wurden am Mittwoch von Dr. Dr. Axel Wilke bei einem Vortrag in der Aula der Alten Landesschule vor etwa 300 Besuchern vorgestellt. Wilke ist Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie an der Elisabeth-Klinik in Bigge und ein ehemaliger Schüler der ALS, (Abi-Jahrgang 1979).

Selten werden Schmerzen in der Wirbelsäule durch ernsthafte Erkrankungen hervorgerufen. Trotzdem: Haben will sie niemand. In jedem Alter kann die Lebensqualität durch Rückenschmerzen verringert werden. Eine perfekte Lösung gibt es nicht, aber viele verschiedene, individuelle Ansätze.

Laut Axel Wilke geht die Behandlung zuerst davon aus, dass der Rückenschmerz harmlos ist. Also ausgelöst durch eine Verrenkung, einen eingeklemmten Nerv oder auch Stress. Wichtig ist beim Gang zum Arzt die Verständigung. Durch die Befragung des Patienten fällt die Diagnostik leichter und die Therapie setzt früher ein. Beginnend mit der Anamnese kommt es zu einer klinischen Untersuchung und eventuell wird ein Röntgenbild oder eine MRT (Magnetresonanztomographie) erstellt. Den Ausschlag für ein schnelles Ergebnis gibt hierbei oft die Erfahrung des Arztes, so Wilke.

Insgesamt ist der Rückenschmerz die teuerste Krankheit in Deutschland. Mit ihr hängen oft viele Krankentage und langwierige Rentenverfahren zusammen.

Um den Körper länger fit zu halten und einer Chronifizierung des Schmerzes entgegenzuwirken hilft regelmäßige Aktivität. Mit Krankengymnastik und Eigenübungen, Spaziergängen und frischer Luft ist das Rückgrat besser bedient als mit bequemer Bettruhe und einer Wärmflasche. Wer die Bandscheiben belastet, stärkt ihr Schwammgewebe, versorgt sie mit Nährstoffen und bleibt wahrscheinlich länger gesund.

Eine gewisse Disziplin ist erforderlich, um Bauch- und Rückenmuskulatur dauerhaft aufzubauen, letztendlich lohnt sich der Aufwand jedoch für Körper und Geist. Denn die Psyche spielt in der Schmerzmedizin eine bedeutende Rolle. Der Alltag der meisten Menschen ist stressig und aufwühlend. Zeit für das eigene Wohlbefinden bleibt oft nicht. Diese Umstände wirken sich negativ auf den Körper aus.

Aus diesem Grund setzt die Therapie bei Rückenschmerzen sowohl mit dem Orthopäden, dem Schmerztherapeut, als auch dem Psychologen an.

Im Laufe der Behandlung werden unter anderem Wärme, Fango und Mikrowellen eingesetzt. Ebenso hilft die Akupunktur, um schmerzfreier zu leben. Verschiedene Analgetika und Antiphlogistika sowie Spritzen unterstützen die Therapie zusätzlich. Erst der letzte Ausweg ist die Operation. Nach einer langen Krankengeschichte setzt sich der Arzt in diesem Fall mit dem betroffenen Patienten auseinander und spricht mit ihm über dir zu erwartenden Ergebnisse.

Operiert wird beispielsweise, wenn ein Tumor vorhanden ist, ein Bandscheibenvorfall oder eine Spinalkanalsverengung vorliegt oder Arthrose die Wirbel verschleißen lässt.

Im Hinblick auf die Behandlungsmethoden betont Facharzt Axel Wilke: "Modern ist nicht besser." Er rät Patienten zwar, offen für alles zu sein, sich jedoch nicht von den neuesten, erst wenig bewährten Therapiemöglichkeiten blenden zu lassen.

Helena Heider, E9e

Ein Korbacher macht Karriere

Prof. Dr. Axel Wilke zurück in der ALS

Sein Programm "Phänomen Rückenschmerz" stellt der ehemalige Schüler der Alten Landesschule Prof. Dr. med. Dr. rer. Physiol. Axel Wilke nächste Woche vor.

Nach seinem Abitur im Jahre 1979 begann er seinen Weg zu gehen, indem er ein Doppelstudium in Humanmedizin und Humanbiologie absolvierte und Karriere machte. Danach folgten weitere Prüfungen, die größtenteils mit der Note "sehr gut" abgeschlossen wurden. 1993 wurde Prof. Dr. Axel Wilke Facharzt für Orthopädie und 1996 Facharzt für physikalische und rehabilitative Medizin und zugleich Oberarzt. 1997 erhielt er ein Südafrika- Stipendium der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie. Fünf Jahre später folgte ein ASG- Stipendium der Gesellschaft.

Dieser Mann ging seinen Weg sehr erfolgreich, da er auch kommissarischer Direktor der Klinik für Orthopädie und Rheumatologie an der Philipps- Universität und ärztlicher Leiter des "Medizinischen Versorgungszentrums" in Marburg war. Er erwarb unter anderem Zusatzqualifikationen in Chirotherapie, Sozialmedizin und Rheumatologie. Doch das war noch nicht alles: Prof. Dr. Wilke erhielt Wissenschaftspreise für seine außerordentlichen Leistungen, wie den Wilhelm- Roux- Preis der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie oder den Preis für die Lehre des Fachbereichs Humanmedizin der Philips- Universität in Marburg.

Seit dem 1. Januar 2006 ist er nun Chefarzt der orthopädischen Klinik in Bigge. Doch er ist zurück an der Alten Landesschule, um allen Interessenten sein Programm "Phänomen Rückenschmerz" vorzustellen. Das Event findet am 10. November um 19:30 Uhr in der Aula der Alten Landesschule statt. Der Eintritt ist für alle Besucher frei. Informationen über den Inhalt des Programms werden folgen.


35. ALS-Akademie: Barbara Jung referierte am 20.5.10 über:
Wie ein Blitz aus heiterem Himmel - Schlaganfall und die Auswirkungen auf die Sprache

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Der Schlaganfall und seine Folgen auf die Sprache war Thema des Vortrages im Rahmen der ALS-Akademie. Die Referentin, Frau Barbara Jung, die 1969 ihr Abitur an der Alten Landesschule ablegte, studierte zunächst Deutsch und evangelische Religion für das Lehramt, woran sich dann das Studium der Sprachheilpädagogik an-schloss.

In ihrem Vortrag ging Frau Jung eingangs auf die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des Schlaganfalls ein. Schwerpunktmäßig beschäftigte sich die Sprachexpertin jedoch mit den Störungen der Sprache, den Aphasien. Gerade der Verlust der Sprache bedeutet für den Betroffenen selbst eine starke Einschränkung im normalen Leben. Eine adäquate Kommunikation ist oft nicht mehr möglich, was natürlich zu Folgen wie ein Abgleiten in Isolation oder Depression haben kann. Auch die Angehörigen sind oft stark verunsichert: Wie soll man mit dem betroffenen Menschen umgehen? Was versteht er, obwohl er nicht mehr antworten kann? Wie kann man ihm helfen?

Eindrucksvoll wurden verschiedene Formen der aphasischen Störungen durch Hör- und Filmbeispiele klassifiziert und dabei verschiedene Behandlungsformen dargestellt.

Insgesamt ein Vortrag, der die Anwesenden stark berührte und verdeutlichte, dass der Schlaganfall in jeder Altersgruppe vorkommen kann.

Heike Chrobacsinsky


34. ALS-Akademie: Franz-Josef Obermann referierte am 20.5.10 über:
Die Finanzkrise 2008

Auf dem Höhepunkt der Weltfinanz- und Wirtschaftskrise war im Rahmen der ALS-Akademie der ehemalige Schüler Franz-Josef Obermann (Abiturjahrgang 1972) am 22.9.2009 an unserer Schule zu Gast, um vor dem Jahrgang 13 zu den Ursachen und den Folgen der Krise zu referieren. Herr Obermann, nach dem Studium zunächst Wertpapieranalyst bei der Commerzbank, war u. a. auch lange Jahre als Leiter des Fondsmanagements bei der Deka Investment tätig. Insofern war das Interesse der Zuhörer sehr groß, wie ein so genannter "Insider" die ökonomische Entwicklung beurteilen würde. obermann

Franz-Josef Obermann, Fondsmanager und ehemaliger Schüler der Alten Landesschule. Foto: pr

"Man kann die Banken lieben, man kann sie hassen, man kann sie als notweniges Übel ansehen oder einfach neutral als Teil unseres Wirtschaftssystems akzeptieren - aber ohne Banken gibt es keine funktionsfähige Wirtschaft."

Nach dieser Eingangsthese bot der Referent seinen Zuhörern zunächst einmal viele aufschlussreiche Informationen über die Marktteilnehmer und Ihre Rollen (z. B. Anleger, Banken, Ratingagenturen, Bankenaufsicht), um sich schließlich mit den Erkenntnissen und den nötigen Konsequenzen, die aus der aktuellen Krise zu ziehen seien, zu beschäftigen.

Zur Überraschung etlicher Zuhörer sparte er nicht mit Kritik an vielen Banken, die sich, obwohl die Schieflage der interna-tionalen Finanzmärkte schon seit Jahren bekannt gewesen sei, in unkalkulierbare Risiken gestürzt hätten. Auch die deutsche Bundesbank nahm er von dieser Kritik nicht aus.

Als Lehren aus dieser Wirtschafts- und Finanzkrise forderte Herr Obermann u. a. eine zentrale europäische unabhängige Bankenaufsicht, strengere Bilanzregeln und strukturierte Produkte nur nach Prüfung durch die Europäische Zentralbank. Mit der Schlussthese, dass der Kapitalismus von Gierigen missbraucht werde, sei genauso systemisch wie der Missbrauch des Sozialismus durch Diktatoren wie Stalin, Mao, Fidel Castro, beendete der Referent seinen Vortrag.

Etliche Fragen und Diskussionsbeiträge seitens der anwesenden Schülerinnen und Schüler rundeten eine gelungene Veranstal-tung ab, die als eine sinnvolle Ergänzung des Unterrichts angesehen werden kann.

Wir bedanken uns ausdrücklich bei Herrn Obermann für seine Bereitschaft, nach Korbach zu kommen.

Leistungskurs PoWi Jakob, Jg. 13


33. ALS-Akademie: Dr. Volker Losemann referierte am 22.6.09 über:
"Arminius - die Karriere eines Freiheitshelden"

losemann

Zusammenfassung des Vortrags (mit Bildern):

 

von Joachim Geldmacher

Kurzvita: Dr. Volker Losemann Jahrgang 1942 Schüler der ALS von 1953-1959, altsprachlicher Zweig; danach Wechsel an das Friedrichs-Gymnasium nach Kassel von 1962-1968 Studium der Fächer Geschichte und Latein von 1969-2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter, seit 1977 als Akademischer Oberrat am Seminar für Alte Geschichte der Philipps-Universität, zuletzt Studiendekan des Fachbereichs Geschichte und Kulturwissenschaften, zahlreiche Veröffentlichungen zur Wissenschaftsgeschichte und Politik, u.a. Nationalsozialismus und Antike. Studien zur Entwicklung des Faches Alte Geschichte 1933-1945 (Hamburg 1977) und zur Rezeption der römisch-germanischen Auseinandersetzung von der Antike bis zur Gegenwart.

Auf den Spuren meines Lehrers Karl Christ bin ich ein Spezialist auf dem Gebiet der Wissenschafts- und Rezeptionsgeschichte der Antike.


32. ALS-Akademie: Dr. Frank Rose referierte am 3.3.09 über:
"Auf dem Weg in ein solares Zeitalter"

Das Potenzial von Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz für Energieeinsparung und Klimaschutz

Nach einem rasanten Wachstum von Weltbevölkerung und Wohlstand in den vergangenen Jahrzehnten und den damit verbundenen Steigerungen bei Energieverbrauch und Ausstoß von Treibhausgasen zwingen Klimawandel und die Begrenzung fossiler Energieressourcen die Menschheit zu einem Umdenken beim Umgang mit Energie. Bereits mit heute verfügbarer Technologie ließe sich der globale Primärenergiebedarf wirtschaftlich mehr als dreimal aus direkter Sonneneinstrahlung abdecken. Der Vortrag beleuchtet die globalen Herausforderungen bei Energieverbrauch und Klimaschutz sowie die Potenziale von Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz.

Frank Rose wurde 1969 in Korbach geboren und erwarb 1988 sein Abitur an der Alten Landesschule. Nach dem Physikstudium in Göttingen und an der UCLA promovierte er an der Universität Frankfurt im Bereich Wirtschaftswissenschaften. Anschließend war er mehrere Jahre in der Beratung von Unternehmen bei Strategie, Restrukturierung und Sanierung sowie Geschäftsaufbau tätig. Seit 2007 leitet er den Bereich Konzernentwicklung und Investor Relations bei der CENTROTEC Sustainable AG in Brilon. Das börsennotierte Unternehmen ist spezialisiert auf Lösungen für Energieeinsparung und Klimaschutz im Gebäude.


31. ALS-Akademie: Dr. Peter Witzel referierte am 25.11.08 über:
"Das Bild unter dem Bild"

Im Februar 2007 ergab sich die Möglichkeit, den Marienaltar der Korbacher Nikolaikirche einer infrarotreflektographischen Untersuchung zu unterziehen. Frau Prof. Dr. Sabine Maier und ihr Mann, PD Dr. Rüdiger Maier, aus Erfurt hatten schon 1995 im Zuge der Restaurierung des Nieder-Warolderner Altars damals in Wiesbaden Gelegenheit, auch dieses Retabel des Korbacher Franziskanermalers teilweise mit Infrarotaufnahmen zu untersuchen.

Die Technik der Infrarotreflektographie wurde in den 70iger Jahren des vorigen Jahrhunderts entwickelt und ermöglicht es - unter bestimmten Bedingungen - die Unterzeichnung eines Tafelbildes, also den künstlerischen Entwurf des Malers auf dem hellen Leim- und Kreidegrund der Bildtafel in digitalen Aufnahmen sichtbar zu machen. Da die farbige Ausgestaltung insbesondere großer, mehrflügeliger Altäre dann meist durch Mitarbeiter und Gehilfen erfolgte, können wir besonders in der Unterzeichnung die Kunstfertigkeit, das Temperament und die Genialität eines Meisters erkennen. Auch Abänderungen vom ursprünglichen Kompositionsentwurf, Formfindungsprozesse und eventuell schriftliche Hinweise an die Gesellen lassen sich sichtbar machen. Retuschen und Übermalungen durch spätere Restauratoren werden erkennbar. Wenn nicht die Art der Pigmente und Bindemittel oder besonders dicker Farbauftrag das Durchdringen der Infrarotstrahlung verhindern, kann man so viele interessante Informationen über die Historie der Bildentstehung erhalten.

Daß der unter den Farbschichten verborgene künstlerische Entwurf mittelalterlicher Meister nach bald 500 Jahren für uns wieder sichtbar gemacht werden kann, ist faszinierend und lässt insgesamt noch manche spannende Entdeckung erwarten.

Darüber berichtet in der Vortragsreihe der ALS - Akademie in Zusammenarbeit mit dem Waldeckischen Geschichtsverein, Bezirksgruppe Korbach am Dienstag, dem 25.11.2008 um 19.30 Uhr in der neuen Aula / Mensa der Alten Landesschule Dr. Peter Witzel in einer Bildpräsentation.

Kurzfassung Vita Dr. Witzel :

In Korbach ( 1937 ) geboren und aufgewachsen, machte ich 1958 mein Abitur an der Alten Landesschule. Es folgte das Studium der Zahnmedizin in Marburg und Freiburg. 1965 -68 Assistenzzeit in der Schweiz. Als 1968 mein Vater starb, übernahm ich die Praxis in Korbach, wo ich bis zum Jahr 2006 meine beruf- liche Entwicklung und Erfüllung fand.

Seit 1984 Beschäftigung mit mittelalterlicher Tafelmalerei ausgehend von den Werken unseres Korbacher Franziskanermalers.

Korbach, den 25.10.2008, Dr. Peter Witzel


30. ALS-Akademie: Dr. Mario Wilke referiert am 29.10.08 über:
"Zahnimplantate - ein starkes Stück Lebensqualität"

Die zahnärztliche Implantologie hat sich in den letzten drei Jahrzehnten von einer Randerscheinung in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde zu einem bedeutenden Teilgebiet mit weitreichenden Erfolgen bei der oralen Rehabilitation entwickelt. Wenn es um hochwertigen Zahnersatz geht, steht kein anderes Behandlungskonzept derzeit so im Fokus des Interesses, was auch die hohe Nachfrage nach implantatgetragenen Versorgungen in den Praxen zeigt.

Das Implantat, eine kleine Schraube aus körperverträglichem Titan, übernimmt dabei die Funktion der Zahnwurzel und bildet so den Pfeiler für den Zahnersatz.

In den Anfängen der Implantologie wurde vor allem dort implantiert, wo der Operateur ausreichend Knochen vorfand. Der Zahnersatz wurde dann häufig, mit vielen Kompromissen, nach der vorliegenden Implantatposition gefertigt. Heute erfolgt zunächst die prothetische Planung.

Fehlt am gewünschten Implantationsort der notwendige Knochen, kann er mithilfe verschiedenster Augmentationstechniken aufgebaut werden.

Der Vortrag soll einen Überblick geben über die zahnärztliche Implantologie im Allgemeinen und über die unterschiedlichen Möglichkeiten des Knochenaufbaus mit Grundlagen der Physiologie des Knochens.

Mario Wilke, geb. 18.06.1975, verheiratet, 3 Söhne, wohnhaft in Berndorf,

  • 1995 Abitur ALS
  • 95-96 Zivildienst DRK Korbach
  • 96-02 Studium der Medizin und Zahnmedizin in Marburg
  • 2002 Approbation als Zahnarzt
  • 02-03 Assistenzzahnarzt in Korbach
  • 03-07 Ausbildung zum Oralchirurg in Detmold und Stuttgart
  • 2007 Beginn Dissertation am Universitätsklinikum Würzburg
  • 10/07 Niederlassung in eigener zahnärztlich-oralchirurgischer Praxis, Louis-Peter-Str. 4-8 in Korbach

 

29. ALS-Akademie: Dr. Ludwig Tent referierte am 13.6.08 über:
"Gewässerschutz "

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Präsentation als PDF-Datei, aktualisiert

 

28. ALS-Akademie: Dr. Hans Otto-Dumke referierte am 13.3.08 über:
"Der Psychologe Prof. Dr. August Bier"

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Zur Person:

Dr. Hans Otto-Dumke, geb. am 4.12.1942, wohnh. Eichendorffweg 29, 88400 Biberach, Abitur 1962 an der Alten Landesschule (ALS) in Korbach. Anschließend 2 Jahre Bundeswehr, von 1964 bis 1969 Studium der Medizin an den Universitäten Marburg, Hamburg und Düsseldorf. Medizinalassistentenzeit in Düsseldorf. Anschließend 4 Jahre Tätigkeit in der Forschung der Dr. Karl Thomae GmbH Biberach. 1976 bis 1980 Facharztausbildung (Psychiatrie, Neurologie und Psychotherapie) am Zentrum für Psychiatrie (ZfP) Bad Schussenried, an den Universitätskliniken Ulm und Freiburg. Anschließend Oberarzt und stellvertretender Ärztlicher Direktor am ZfP Bad Schussenried. Von 1985 bis 2005 Ärztlicher Direktor des ZfF Bad Schussenried.

Von 2006 bis Ende 2007 nervenärztliche ambulante Tätigkeit in Bad Schussenried und Biberach. Verheiratet, 3 Kinder.

Mit August Bier, der ja ebenfalls an der Korbacher Alten Landesschule Abitur gemacht hat, habe ich mich schon als Schüler auseinandergesetzt und mich als Psychiater zuletzt insbes. mit seinen Veröffentlichungen und Forschungen aus dem "seelenheilkundlichen" Gebiet auseinandergesetzt.

August Bier war ja ein universaler Geist, der insbesondere durch Naturbeobachtungen zu eindrucksvollen Forschungsergebnissen gekommen ist, die er dann auch vielfaltig publiziert hat, so z. B. in dem Buch "Die Seele". Bier war nicht nur ein weltberühmter Chirurg und der Erfinder der Spinalanästhesie, er war auch Philosoph, Forstmann mit ökologischem Anstrich und Seelenforscher.

 

27. ALS-Akademie: Alexander Zulauf referierte am 4.10.07 über:
"Po-210 - Der Fall Litwinenko"

zulauf

  • Alexander Zulauf, geb. am 6.8.1980 in Kirgisistan
  • 1992 Übersiedlung nach Deutschland
  • 1992-1994 Humboldt-Schule Korbach
  • 1994-2001 Alte Landesschule Korbach, Abitur 2001
  • 2001-2003 Grundstudium der Chemie, FSU Jena
  • 2003-2005 Hauptstudium der Chemie, Philipps-Universität Marburg, Schwerpunkt: Radiochemie
  • 2006 Diplomarbeit zum Thema „Dissoziation von Fulleren-Molekülionen durch streifende Oberflächenkollision bei niedriger kinetischer Energie"
  • Zurzeit Doktorand an der Philipps-Universität Marburg, Institut für Radiochemie

Alexander Walterowitsch Litwinenko wurde am 01.11.2006 in London vergiftet. Er verstarb bereits am 23.11.2006. Die Ärzte gingen zunächst von einer Thallium- Vergiftung aus. Ein Tag nach seinem Tod wurde Po-210 in seinem Urin nachgewiesen. Bis heute ist der Fall nicht abschließend geklärt.

Andrej Lugowoj wurde zwar festgenommen und des Mordes beschuldigt, beteuert selbst seine Unschuld. Es gibt auch viele ungeklärte Fragen in diesem Fall. Insbesondere gibt es von der offiziellen Seite keine Angaben über die Menge des radioaktiven Stoffes, die dem Opfer verabreicht wurde.

Aus dem Krankheitsverlauf kann jedoch die verabreichte Menge des Giftes abgeschätzt werden.

Im Vortrag wird auch auf das Isotop Po-210 selbst, bezüglich der Eigenschaften, des Vorkommens und der Verwendung, eingegangen. Ebenfalls werden die biologischen Schäden, die die radioaktive Strahlung verursacht, besprochen. Abschließend werden sechs Mordtheorien vorgestellt. Eine davon ist die Selbstmordtheorie. Angeblich soll sich Litwinenko bei einem Poloniumschmuggel selbst vergiftet haben. Doch es scheint einen Zusammenhang zwischen der Selbstmordtheorie und der Therapie der Thallium-Vergiftung zu geben.

 

26. ALS-Akademie: Cyril Niederquell referierte am 24.8.07 über:
Samoa

niederquell

Bei einer Studienreise ins südpazifische Samoa lernte Cyril Niederquell aus Korbach Leben und zahnärztliche Arbeit in der Südsee kennen. Mit einem weiteren Zahnmedizinstudenten der Marburger Zahnklinik war Niederquell rund zwölf Wochen unterwegs und berichtet über seine Erlebnisse bei einem medizinischen Praktikum in einer samoanischen Zahnstation. Dabei eröffnet die Reise auch Einblicke in das staatliche Gesundheitswesen, in die deutsch-samoanische Geschichte sowie in das typische Familienleben.

 

25. ALS-Akademie: Dr. Friedemann Roy referierte am 29.6.07 über:
"Der (Un)sinn der Osterweiterung - Chance oder Untergang?"

Am Freitag, dem 29. Juni 2007, hielt Dr. Friedemann Roy im Rahmen der ALS-Akademie einen Vortrag über Chancen und auch Gefahren, die die europäische Osterweiterung mit sich bringt. Der Jahrgang 12 sowie deren Lehrer in Politik und Wirtschaft nahmen an dem Vortrag teil.

Der Referent Dr. Friedemann Roy war selbst Abiturient der ALS 1990 und hat dann nach einer Banklehre bei der Kasseler Commerzbank "Europäische Wirtschaft" in Bamberg und Freiburg studiert. Zur Zeit arbeitet er als "Senior Project Manager" bei der "Frankfurt School of Finance and Management Bankakadcmie". Während seiner beruflichen Laufbahn beschäftigte Roy sich u. a. auch mit der Niederlassung von Banken im osteuropäischen Ausland, z. B. in Polen oder Tschechien, Daher ist er auch ein überzeugter Verfechter der europäischen Idee und engagiert sich stets für ein Zusammenwachsen Europas. Auch sein Vortrag an der ALS war geprägt von dieser Überzeugung, denn er brachte hauptsächlich die wirtschaftlichen Vorteile der europäischen Wirtschaftsverflechtungen mit dem Osten seinen Zuhörern näher. Nach einer kurzen Einführung in die Entstehungsgeschichte und -gründe der europäischen Union geht Roy auf seine persönlichen Erfahrungen über den positiven, wirtschaftlichen Einfluss der EU ein. Diese Bezüge zu seiner persönlichen Arbeit, mit Grafiken und Bildern gestützt, machten seinen Vortrag anschaulich und abwechs-lungsreich.

Seine internationale Arbeit konzentrierte sich vor allem auf die Beratung von Banken aus Ländern in Osteuropa, aber auch u. a. aus der Mongolei. Dabei stand vor allem die Entwicklung eines sicheren Wohnungsfinanzierungssystems für die dort lebende Bevölkerung im Vordergrund, da dort - so Roy - durch das BevöIkerungswachstum und die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage alle Menschen in der Lage sein sollten, ein angemessenes Zuhause bewohnen zu können. Jedoch seien dabei auch die Vortei-le für die hiesigen Banken nicht außer Acht zu lassen, da durch die Erweiterung des eigenen Einflussgebietes neue Märkte erschlossen würden. Dies könne aber nur durch eine Zusammenarbeit mit den dort ansässigen Banken erreicht werden.

Auch Roys Fazit fiel positiv aus, da die wirtschaftlichen Chancen für die Banken und auch die Möglichkeiten derer, die einen ähnlichen Weg wie Roy einschlagen sollten, durchaus gut seien. Diese Vorteile überwögen die Nachteile der Osterweiterung, wie z.B. die der Verlagerung von Arbeitsplätzen.

Nach diesem interessanten Vortrag nutzten Lehrer und Schüler die Gelegenheit, Nachfragen an Dr. Friedemann Roy zu stellen, bis zuletzt die Veranstaltung ausklang, indem dann alle Anwesenden von ihm mitgebrachtes Informationsmaterial über seine Arbeit und über die EU mitnehmen konnten.

Carsten Schwäbe, Jg. 13

 

24. ALS-Akademie: Dr. Friedrich Christian Delius referierte am 14.5.07 über:
Die Minute mit Paul McCartney

delius

Im Rahmen der ALS-Akademie besuchte der Bestseller-Autor Friedrich Christian Delius vormittags am 14. Mai die Jahrgangsstufe 10 der ALS im Musiksaal. Der ehemalige Schüler der Alten Landesschule und heutige Schriftsteller berichtete von seinen Anfängen, seiner eigenen Schulzeit und seinem erfolgreichen beruflichen Werdegang.

Begonnen hatte damals alles mit dem "Neuen Schülerruf", der damaligen Schülerzeitung. Dort schrieb er engagiert Berichte und Artikel - darunter auch mal satirische Texte über Schule und Lehrer. Er habe es geschafft, sich: "…von einem schlechten Schüler zu einem Schriftsteller, zu entwickeln, der mit seinem Beruf Geld verdienen kann", so Delius selbst. Das machte den Schülern natürlich Mut, und begeistert hörten sie ihm zu.

"Die Minute mit Paul McCartney" lautete der Titel des Buches, aus dem er einige Kapitel vorlas. Ein Buch, das in  66 verschiedenen Sichtweisen, Stilen und Formen, vom Märchen bis zum Rapsong, seine eher kurze Begegnung mit dem Beatles-Mitglied Paul McCartney schildert. Folglich war für jeden etwas dabei, und aus dem Musiksaal drang lautes Lachen über die teils komischen Interpretationen dieser Begegnung.

Im Anschluss hatten die Schüler die Gelegenheit, Fragen an Herrn Delius zu stellen, wobei die ersten Drei jeweils ein Exemplar seines Bestsellers "Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus" geschenkt bekamen. Seinen Besuch beendete der ehemalige ALS-Schüler mit den Worten "Buchhalter beißen nicht!". Ein Appell an die Schüler, öfter mal ein Buch in die Hand zu nehmen.

Friedrich Christian Delius hat insgesamt 27 Werke veröffentlicht, darunter Romane sowie Gedichtbände. Außerdem erschienen viele Übersetzungen seiner Bücher in anderen Ländern, beispielsweise in Japan, Israel und Dänemark. Über die Jahre erhielt er für seine Werke mehrere renommierte Preise und Auszeichnungen.

Bericht: Lena Schäfer, 10a

F.C. Delius ist Mitglied des deutschen PEN-Zentrums und seit 1998 der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Er ist Träger verschiedener Literaturpreise. (Foto: Geldmacher)

 

23. ALS-Akademie: Dr. Christiane Figge referierte am 27.2.07 über:
Myoarthropathie oder Cranio-mandibuläre Dysfunktion

Wenn Stress auf Kiefer trifft

Im Rahmen der Veranstaltungen der ALS-Akademie referierte am 27. Februar im Musiksaal der Alten Landesschule vor etwa 60 Zuhörern die Zahnärztin Dr. Christiane Figge über das Thema "Cranio-mandibuläre Dysfunktion".

Christiane Figge machte 1995 das Abitur an der Alten Landesschule und ist seit drei  Jahren niedergelassene Zahnärztin in Kor-bach. Bei der cranio-mandibulären Dysfunktion (CMD)   manchmal wird auch von Myo-arthropathie gesprochen   handelt es sich um eine Krankheit, die oft bei 35- bis 45-jährigen Menschen erstmals in Erscheinung tritt und mit der Anatomie des Kiefergelenks bzw. Schädels in Zusammenhang steht. Es sind mehr Frauen als Männer betroffen. Für die Patientin oder den Patienten steht die Diagnose CMD oft am Ende einer langen Odyssee auf der Suche nach der Ursache der Beschwerden. figge

Bei der Beschreibung des Krankheitsbildes und der möglichen Ursachen nannte Frau Dr. Figge unter anderem Kopfschmerzen, vor allem morgens, Schmerzen im Kiefergelenk, im Bandapparat und beim Öffnen des Mundes, Geräusche infolge degenerativer Veränderungen beim Bewegen des Kiefergelenks, Muskelverspannungen, auch Hypertrophien der Kaumuskulatur, vor allem bei reichlichem Kaugummikonsum. Der Schmerz, eher dauernd als stechend, sei vom Patienten meist gut lokalisierbar. Gefühlsstörungen im Gesicht können vorkommen, ebenso Verstärkung eines vorhandenen Tinnitus. Die Weisheitszähne, schon wegen ihrer Nähe zum besagten Gelenk, und auch zu hohe Prothesen können bei der Entstehung der Beschwerden eine Rolle spielen. Psychosomatische Vorgänge sind eine der häufigsten Ursachen, sie seien nicht nur prädisponierend, sondern auch für eine Fortdauer mitverantwortlich. Zähneknirschen, vor allem nachts, sei Ausdruck unterbewusster Stressbewältigung. Ein Teufelskreis kann sich bilden. Die Bedeutung des Faktors Stress zeige sich auch daran, dass nicht von ungefähr das oben genannte Alter im Hinblick auf die in dieser Zeit stattfindende endgültige berufliche Standortfindung zu den "gefährlichen Jahren" hinsichtlich des Auftretens der Beschwerden  gehört.

Für die Therapie sei ein Gesamtkonzept und die Zusammenarbeit mit Ärzten anderer Fachbereiche wichtig. Ein vorrangiges Ziel sei sicher die Schmerzreduktion, wenn auch nicht immer Schmerzen am Geschehen beteiligt seien. Eventuell sei der Einbau einer Schiene  zur Unterstützung des Kiefergelenks zu erwägen, aber nicht immer sei eine Schiene sinnvoll, sie sollte jedenfalls von Zeit zu Zeit überprüft und nachgearbeitet werden. In erster Linie soll sie eine Entspannung der Muskulatur bewirken, damit indirekt den Schmerz bekämpfen. Auch physiotherapeutische Behandlung als Unterstützung kann sinnvoll sein mit ergänzenden Übungen als "Hausaufgaben" für den Patienten. Medikamentös kommt Magnesium zur Lockerung der Muskulatur in Frage.

Was den Faktor Stress betrifft, so betonte Dr. Figge, dass entsprechende Situationen möglichst zu reduzieren oder ganz zu vermeiden seien, statt "zähneknirschend (!) etwas durchzuziehen", um es "hinter sich zu bringen". Entspannung im weitesten Sinn ist also ein wichtiger Ansatz in der Therapie.

Selbstverständlich sei auch Zahnersatz als Maßnahme aus dem eigenen Fachgebiet in der Therapie der CMD zu nennen. Dazu kämen Bisskontrolle, eventuell Anhebung der Vertikale, manchmal seien Bruchteile von Millimetern entscheidend.

Die Diskussion im Anschluss an den Vortrag war geprägt von Beiträgen der zahlreich anwesenden medizinischen Fachleute aus dem dentalen und nicht-dentalen Bereich. Ganz im Sinn des angesprochenen ganzheitlichen Ansatzes war man der Meinung, dass die Beschwerden multilateral zu verstehen sind, dass Probleme aus anderen Körperregionen "oben ankommen" können. Die Beteiligung der Weisheitszähne am Geschehen wurde bejaht, aber ihre prophylaktische Extraktion sei nicht der Weisheit letzter Schluss.

Schulleiter Robert Gassner dankte der Rednerin für ihre engagierten Ausführungen. Nach Überreichung des obligatorischen ALS-Kugelschreibers an Frau Dr. Figge lud er   erstmals in der Geschichte der Vortragsreihe   zu einem abschließenden Beisammensein im benachbarten Aufenthaltsraum der Schule ein, wo Getränke und Knabbersachen zur therapeutischen Entspannung bereitstanden. Man konnte die fachliche Diskussion über das Thema weiterführen oder auch ein außermedizinisches Gespräch mit alten Schulfreunden suchen. Ein solcher Ausklang eines Akademieabends ist als dauerhafte Einrichtung gedacht.

Friedhelm Brand

 

22. ALS-Akademie: Björn Kiepe referierte am 20.11.06 über:
Gentechnik in der Agrarwirtschaft

kiepe

Zum ersten Mal seit Bestehen der ALS-Akademie fing der Vortrag am Montag bereits um acht Uhr an, damit vor allem die Schüler selbst in den Genuss gebracht werden konnten. Thema des Referenten Björn Kiepe, der das Abitur 1997 an der ALS ablegt hat, war die grüne Gentechnik aus dem Blickwinkel der Agrarwissenschaften.

Mittlerweile zum "Product Manager Seeds" bei dem globalen Unternehmen Monsanto Agrar aufgestiegen, setzte er dem Fachvortrag jedoch erst mal einige allgemeine Worte zu seinem Werdegang voraus. So stellte er die Wichtigkeit von Praktika und sozialem Engagement in seinem Lebenslauf dar, ebenso wie den Auslandsaufenthalt und das Studium selbst.

Kiepe nahm in seinem Vortrag Bezug auf die Geschichte der Züchtung und der Gentechnik allgemein und speziell in Bezug auf Deutschland. So wurden hierzulande seit 2005 erst vier genveränderte Produkte auf den Markt gebracht, es handelt sich hierbei um den sogenannten Bt-Mais.

Der Referent erklärte, welche Institutionen an der Sicherheitsbewertung und Zulassung der dieser Produkte beteiligt sind. Kriterien für die Beurteilung seien hierbei die gesundheitliche Unbedenklichkeit, die Tests auf giftiges und allergisches Potenzial sowie Umweltverträglichkeit, außerdem müsse eine Verbesserung der Sorte aufgetreten sein.

Näheres erläuterte der Träger des Förderpreises der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft zu den Verfahren der Gentechnik an sich. Er nannte Praxisbeispiele, wie die Herbizidtoleranz, und weitere erstrebte Merkmale des Saatgutes, die in der Entwicklung stehen. Hierbei führte er die jeweiligen Entwicklungsstadien der Produkte an und machte klar, dass der Weg zum fertigen, getesteten und zugelassenen Produkt sich über Jahre hinzieht. Momentan werden circa 90 Millionen Hektar mit genveränderten Pflanzen, vor allem Mais und Soja, angebaut - Tendenz steigend.

In Deutschland herrsche jedoch noch eine rege Diskussion um dieses Thema, gerade weil es noch keine Langzeitstudien gibt. So empfiehlt Kiepe sich genauer zu informieren, um der Sachlage mit Wissen zu begegnen. Anschließend an den Vortrag fand eine wegen des Zeitmangels kurze Diskussion mit Schülern und Lehren statt, die im Unterricht weitergeführt werden soll.

Anke Grünhaupt, 13c

 

21. ALS-Akademie: Generalleutnant Axel Bürgener referierte am 6.4.06 über:
Wird Deutschland am Hindukusch verteidigt?

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Auslandseinsätze sind zum Markenzeichen der Bundeswehr geworden, ein weiter Weg! Generalleutnant a.D. Axel Bürgener, Abiturjahrgang 1964 der Alten Landesschule in Korbach, ist fast die gesamte Strecke mitgegangen:

50 Jahre Bundeswehr: Rück- und Ausblick nach vier Jahrzehnten Dienst in den Streitkräften

  • von einer Armee der Friedenssicherung durch Abschreckung und gesicherte Verteidigungsfähigkeit am eisernen Vorhang in Mitteleuropa
  • über die Armee der Einheit im wieder vereinigten Deutschland
  • zur weltweit operierenden Einsatzarmee

Erinnerungen und kritische Betrachtungen des ehemaligen Befehlshabers des für die Einsätze des Heeres verantwortlichen Führungskommandos

Vortrag mit Bildern und Filmausschnitten von den Auslandseinsätzen der Bundeswehr

Bundespräsident Köhler (Kommandeurtagung der Bundeswehr 10.10.05) wünscht sich "eine breite gesellschaftliche Debatte - nicht über die Bundeswehr, sondern über die Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik unseres Landes. Diese Debatte braucht klare Analysen, welche deutschen Interessen es zu schützen und zu fördern gilt, vor welchen Herausforderungen und Bedrohungen wir dabei stehen, auf welche Ressourcen wir dabei zählen können, wie wir vorgehen und welche Rolle die Bundeswehr dabei übernimmt."

  • Axel Bürgener wurde 1944 in Korbach geboren, Abitur 1964 an der ALS, anschließend Wehrdienst.
  • 1971 Chef einer Panzerartilleriebatterie in Homberg/Efze.
  • 1975 Generalstabsausbildung an der Führungsakademie der Bundeswehr, Hamburg.
  • 1977 Generalstabsoffizier für Operationsplanung und Abteilungsleiter Logistik in einem Divisions- und Brigadestab in Buxtehude und Hamburg.
  • 1979 Persönlicher Mitarbeiter der parlamentarischen Staatssekretäre Dr. Andreas von Bülow und Dr. Willfried Penner im Bundesministerium der Verteidigung (BMVg), Bonn.
  • 1983 Kommandeur eines Panzerartilleriebataillons, Lahnstein.
  • 1984 Referent und Referatsleiter für Operationsplanung, Strategie, Militärpolitik und Rüstungskontrolle im Führungsstab des Heeres des BMVg.
  • 1991 Kommandeur der Panzerbrigade 15 "Westerwald", Besuch der Bundessicherheitsakademie, Referatsleiter für die Organisation der Streitkräfte im BMVg in Koblenz und Bonn.
  • 1995 Chef des Stabes des Heeresführungskommandos in Koblenz.
  • 1999 Befehlshaber im Wehrbereich (Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Saarland) und Kommandeur der 5. Panzerdivision, Mainz.
  • 2002 bis 2005 Befehlshaber des Heeresführungskommandos, Koblenz.

 

20. ALS-Akademie: Dr. Uwe Schlömer referierte am 15.2.06 über:
Das Phänomen eBay – aus rechtlicher Sicht

Im Rahmen der ALS Akademie referiert Dr. Uwe Schlömer am 15. Februar 2006 ab 19.30 Uhr im Musiksaal der Alten Landesschule. Besucher sind herzlich willkommen.

Uwe Schlömer ist in Korbach geboren und aufgewachsen. Nach Besuch der ALS hat er in Göttingen Rechtswissenschaft studiert und das erste juristische Staatsexamen abgelegt. Nach einer Dissertation zum Thema des „elektronisch überwachten Hausarrests“ hat Uwe Schlömer das Rechtsreferendariat in Hamburg absolviert, wo er seit Mitte der 90er Jahre wohnt.

Dr. Uwe Schlömer ist Mitbegründer der Kanzlei SHLÖMER & SPERL Rechtsanwälte mit Schwerpunkten im Bereich der neuen Medien und im Wirtschaftsrecht. Seit einigen Jahren besteht eine enge Kooperation mit dem Internet-Auktionshaus eBay, in deren Rahmen Dr. Schlömer als Dozent auf den so genannten eBay-Universities und den eBay-Workshops tätig ist. Die Kanzlei Schlömer & Sperl vertritt Online-Händler aus ganz Deutschland in zum Teil sehr komplexen Fragen des Online-, Fernabsatz- und Wettbewerbsrechts.

EBay hat 157 Millionen Mitglieder weltweit, davon 17 Millionen in Deutschland. Auf eBay werden 8 Trecker am Tag verkauft, alle 8 Minuten ein Sofa, alle 2 Minuten eine Flasche Wein und alle 2 Sekunden ein Buch.

In seinem Vortrag informiert Dr. Schlömer über rechtliche Hintergründe der Internet- Handelsplattform und verrät Tipps und Tricks rund um eBay und viele amüsante Geschichten aus dem Alltag von Käufern und Verkäufern.

Der Eintritt ist kostenfrei.

 

19. ALS-Akademie: Mandana Naderian referierte am 12.10.05 über:
Die Welt der Medien

naderian

Der Glaube an die eigenen Stärken "ist die große Chance, das zu bekommen, was man sich wünscht". In der letzten Stunde vor den Herbstferien öffnete die Korbacher Moderatorin Mandana Naderian für die Oberstufenschüler der Alten Landesschule die Tür zur glänzenden, glitzernden Medienwelt. Kess, selbstbewusst, jedoch keineswegs blauäugig rief die 34-Jährige dazu auf, den Griff nach den Sternen nicht zu scheuen.

Ich bin Euer Schulfrei und hoffentlich nicht so langweilig wie Mathe oder Bio," plauderte die junge Frau gleich zu Beginn ihres Vortrags munter drauflos. Scheu vor dem Mikrofon keine Spur. Mandana Naderian ist Profi. "Schon als Kind habe ich meinen Kuscheltieren die Ohren blutig geredet", lächelt sie beim Rückblick auf ihren Werdegang, den sie am Mittwochabend im Rahmen der ALS-Akademie nachzeichnete.

Ihren Weg in die Studios von ARD, RTL, Tele 5 und MTV, in die Hans-Meiser-Redaktion oder auf das Sofa von Stefan Raab hat sich die Abiturientin des Jahres 1990 hart erarbeitet ohne "Vitamin B" und Ausflüge auf die "Besetzungscouch", wie sie betont. "Es gibt viele Dinge, für die es sich zu kämpfen lohnt", möchte sie die Jugendlichen motivieren, selbst nach Rückschlägen nicht aufzugeben. Wer eine Karriere in den Medien ins Auge fasse, müsse vor allem flexibel sein und für seinen Beruf leben. "Wirkliche Stars haben sehr wenig Zeit für sich", verwies die studierte Medien- und Sprachwissenschaftlerin auf die Gefahren der Glitzerwelt. Kleine Bonbons, wie zum Beispiel Treffen mit Brad Pitt oder Robbie Williams, sowie die Bezahlung entschädigten allerdings für manche Entbehrung.

Trotz prominenter Freunde und Reisen in die schönsten Länder der Welt lebt Mandana Naderian nicht in einer Traumwelt. Sie ist häufig bei ihrer Familie in Korbach zu Gast und liebt es, sich um ihre acht Patenkinder zu kümmern.

Den Besuch an der ALS genoss die ehemalige Schülerin ebenso: Gern erinnerte sie sich an die gute alte Zeit in der Solinger Straße, scherzte zur Freude ihrer jungen Zuhörer über Unterricht und Lehrer, dankte aber auch für die geleistete Starthilfe. Stolz denkt die Wahl-Münchenerin, die sowohl im Fernsehen als auch bei Events und Galas zu sehen ist, an ihren ersten Auftritt zurück als Moderatorin der ALS-Lehrerhitparade 1989. In ihrer alten Heimat sorgte das Energiebündel im Sommer beim Altstadt-Kulturfest für Begeisterung. Gemeinsam mit WLZ-Chefredakteur Jörg Kleine möchte sie 2006 erneut kleine Künstler bei der "Mini-Playback-Show" zu großen Leistungen anspornen.

Im Anschluss an den Vortrag liefen die Gymnasiasten zur Hochform auf. Fragen zu Studienwahl, Berufsvoraussetzungen und geplanten TV-Projekten sprudelten aus ihnen heraus. "Man muss wissen, was man will, und bereit sein, einen langen Weg zu gehen", resümierte der Medienprofi ein guter Rat, auch abseits von Glanz und Glitzer.

WLZ vom 15.10.2005

 

18. ALS-Akademie: Dr. Strothenk referierte am 20.9.05 über:
Kautschukprodukte des täglichen Lebens - wie kommen sie zustande? Übergang vom plastischen in den elastischen Zustand."

strothenk

Über dieses Thema berichtete Dr. Horst Strothenk vor Schülern, Lehrern und Ehemaligen im Musiksaal der Alten Landesschule. Geboren am 21.02.1936 in Korbach, schlug er wie sein Vater, nachdem er sein Abitur 1956 erlangte, den Weg zum Beruf des Chemikers ein.

Nachdem er 1959 sein Vordiplom und 1961 sein Diplom an der Technischen Hochschule Hannover absolviert hatte, promovierte er an gleichem Ort in der Physikalischen Chemie. Sein Abschluss lautete nun: Dr.rer.nat. Das Thema seiner Arbeit war: ,,Messung der differentiellen Sorptionswärme und der elektrischen Leitfähigkeit im System Titan/Wasserstoff in Abhängigkeit von der Wasserstoffkonzentration".

Sein beruflicher Werdegang begann und endete in der Continental/AG Hannover. Hier arbeitete er sich von einem Entwicklungschemiker hoch zum Leiter des Qualitätsmanagements. Bis heute ist er freier Mitarbeiter bei Conti Tech Fluid und hielt seit 1993 bis 2004 als Lehrbeauftragter an der Universität in Hannover Vorlesungen über die Kautschuktechnologie. Außerdem leitete er Seminare mit unterschiedlichen Inhalten an mehreren Orten der Bundesrepublik und außerhalb, zum Beispiel in Buenos Aires, Helsinki,etc.

Sein Vortrag begann mit der Entwicklung und Herstellung eines Gummiwerkstoffes. Dazu nötig sind im Allgemeinen vier Arbeitsschritte: Mischungsentwicklung (Compounding), Mischungsherstellung, Verarbeitung und Ausformung zum Produkt und die Bildung des Werkstoffes durch Vernetzung der Polymere. Das Endprodukt, das aus diesen vier Schritten entsteht, muss die Kundenwünsche befriedigen und vom Preis her noch wettbewerbsfähig sein. Dies, so Dr. Strothenk, sei bei der Entwicklung einer der schwersten Schritte. Außerdem spielt die Gesundheit der Arbeiter eine große Rolle. Diese sollten mit keinerlei gesundheitsgefährdenden Substanzen in Berührung kommen. Der Entwicklungschemiker muss also in ständiger Aufmerksamkeit arbeiten.

An einem praxisbezogenen Beispiel (Gummisohle für Schuhe) erklärte Dr. Strothenk die Gummiherstellung. Ganz allgemein gilt: ,,Kautschuk vulkanisiert zu Gummi." Oder im Fachjargon ,,Polymer vernetzt zu Elastomer."

Am Anfang wird also ein Polymer (meist Natur-oder Synthesekautschuk) ausgesucht, welches auf der einen Seite bestimmte Eigenschaften erfüllt, z.B. Alterungsbeständigkeit oder Kälteflexibilität, und auf der anderen Seite den Hauptbestandteil des späteren Endproduktes ausmacht. Hinzu kommen noch meist 9 andere Chemikalien-Gruppen, die einmal die Eigenschaften des späteren Werkstoffes verbessern sollen sowie die Reaktionen in den Mischern erst möglich machen. Hierbei handelt es sich um Alterungsschutzmittel, Füllstoffe, Weichmacher (Plastikatoren), Verarbeitungshilfsmittel, Farbstoffe (Treibmittel, etc.), Aktivatoren, Vernetzungsmittel, Vulkanisationsbeschleuniger und -verzögerer.

Diese Bestandteile des späteren Werkstoffes müssen zusammengeführt werden. Dies geschieht in den Walzwerken bzw. den Knetern.

In diesen Knetern drehen sich zwei in entgegengesetzte Richtungen laufende und ineinander greifende Schaufeln. Die einzelnen Elemente werden hier vermischt und zu einem ,,Fell" (Gummibahn ) gepresst. Dieses Halbfabrikat kann je nach Wunsch weiterverarbeitet werden.

Am Ende seines Vortrags ging Dr. Strothenk noch auf die Rolle des Schwefels bei der Vulkanisation ein. Der Schwefel bildet zwischen den langen Molekülketten des Kautschuks Querverbindungen, die das Endprodukt weniger dehnbar, strammer und weniger verformbar machen.

Trotz des hohen technischen Verständnisses, welches Dr. Strothenks Vortrag verlangte, machte er den Zuhörern durch praxisbezogene Beispiele und witzige Einschübe klar, wie schwer und aufwändig z.B. die Herstellung einer Gummisohle ist.

Auch heute noch, nach so vielen Jahren schwerer Arbeit, bezeichnet sich Strothenk als ,,putzmunter" und ,,fidel", trotz seiner Diabetes.

Benjamin Knipp, 13f

 

17. ALS-Akademie: Raffi Bekeredjian referierte am 11.4.05 über:
Biotechnologie in der Herzforschung

Hier nähere Informationen und herzliche Einladung zu einem besonders empfehlenswerten Vortrag von Dr. Raffi Bekeredjian in der ALS-Akademie am 11. April im Musiksaal der Alten Landesschule:

Als Pumpe für das Blut ist das Herz ein zentrales Organ im Menschen. Die wesentlichen Erkrankungen des Herzens ergeben sich aus den verschiedenen Komponenten, welche die Funktion dieses Organs ausmachen. So können die Herzklappen durch eine Verengung oder Undichtigkeit ihre Funktion als Ventile verlieren, der natürliche Schrittmacher des Herzens verlangsamen, die Kraft des Herzmuskels oder die Blutversorgung des Herzmuskels durch die Herzkranzgefäße abnehmen. Das Letztgenannte stellt die wohl wichtigste Erkrankung des Herzens dar: die koronare Herzerkrankung. Diese ist nicht nur die wichtigste Krankheit dieses Organs, sondern auch die Haupt-Todesursache in den industrialisierten Ländern. In den letzten Jahrzehnten wurden daher viele neue Therapie-Formen in der Medizin entwickelt, welche speziell auf die koronare Herzerkrankung abzielen. So können heute beim akuten Herzinfarkt durch einen Eingriff im Herzkatheter sowie diverse Medikamente die Überlebenschancen deutlich verbessert werden. Allerdings bleibt diese Erkrankung weiterhin die tödlichste Krankheit in unsere Gesellschaft, nicht zuletzt durch die selbstzugefügten Risiken, wie unausgewogene Ernährung, Bewegungsmangel und insbesondere das Rauchen.

Daher wird in der Herzforschung an vielen neuen Behandlungsmöglicheiten gearbeitet, die die Therapieoptionen erweitern sollen. Hierzu gehört auch eine Fülle an biotechnologischen Ansätzen, von denen exemplarisch eine dargestellt werden soll. In der Ultraschall-Diagnostik haben sich seit einigen Jahren Ultraschall-Kontrastmittel für eine verbesserte Darstellung bestimmter Strukturen bewährt. Diese Ultraschall-Kontrastmittel bestehen aus kleinen Bläschen, die gefüllt sind mit einem Gas und kleiner sind, als rote Blutkörperchen. Wegen ihrer Gasfüllung sind sie in der Lage Ultraschall zu reflektieren. Zusätzlich können sie durch Ultraschall hoher Energie zum Platzen gebracht werden. Diese Eigenschaft kann genutzt werden, um Substanzen in den Bläschen verpackt zu transportieren und an einem gewünschten Ort durch Ultraschall freizusetzen. Solche Substanzen können Medikamente sein, aber auch Genträger (z.B. DNA oder Viren), welche für eine Gentherapie genutzt werden können. In verschiedenen Studien konnte gezeigt werden, dass diese Technik in der Lage ist in hohen Konzentrationen solche Substanzen im Herzen freizusetzen, ohne dass andere Organe ebenfalls hohe Konzentrationen abkriegen würden. Das erlaubt den Einsatz neuer Medikamente, die - bei Wirkung im gesamten Körper - zu hohe Nebenwirkungen hätten und daher bislang nicht benutzt werden durften. Für die koronare Herzerkrankung ist z.B. das Wachstum neuere Blutgefäße, also das Ersetzten oder Überbrücken verengter Herzkranzgefäße, ein viel versprechendes Ziel. Diesen Vorgang, der als Angiogenese bezeichnet wird, kann man durch verschiedene Proteine anregen. So ist es möglich, entweder direkt ein Protein in den Herzmuskel zu bringen, oder über Gentherapie das Protein im Herzen zu produzieren. In jedem Fall ist allerdings ein gezielter Einsatz im Herzen nötig, ohne eine Angiogenese in anderen Organen mit anzuregen. Die beschriebene Technik mit den Bläschen und dem Ultraschall bietet die Möglichkeit genau diese Vorgabe zu erfüllen, und somit eine neue Therapieoption für die koronare Herzerkrankung zu bilden. Weitere Studien in den nächsten Jahren werden allerdings erst beweisen müssen, dass dieser Vorgang mit einer ausreichenden therapeutischen Effizienz möglich ist, bevor es in die klinische Routine Eingang finden kann.

Referent Dr. med. Raffi H. Bekeredjian, Innere Medizin III, Universität Heidelberg bekeredjian

Schule & Studium:

  • 1992 Abitur an der Alten Landesschule Korbach
  • 1992 - 1994 Georg-August-Universität Göttingen (Vorklinik)
  • 09/1994 Ärztliche Vorprüfung an der Universität Göttingen
  • 1994 - 1998 Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (Klinik)
  • 11/1998 3. Staatsexamen an der Universität Heidelberg

Auslandsaufenthalte:

  • WS 96/97 ERASMUS-Stipendium: Universität Wien
  • 1997/98 DAAD-Stipendium (Praktisches Jahr):
  • Baylor College of Medicine - Houston, TX (Innere Medizin - 4 Monate)
  • Duke University - Durham, NC (Chirurgie - 4 Monate)

Promotion:

  • 2000 "Experimentelle und klinische Untersuchungen zur Erfassung von Gefäßdimensionen und Gefäßdynamik mittels intravasalem Ultraschall" Prof. Dr. Helmut Kücherer - magna cum laude -

Beruflicher Werdegang:

  • 01/1999 - 06/2000 Arzt im Praktikum in der Abteilung für Kardiologie, Pulmonologie, Angiologie der Universität Heidelberg - Prof. Dr. W. Kübler
  • 07/2000 - 10/2001 Assistenzarzt in der Abteilung für Kardiologie, Pulmonologie, Angiologie der Universität Heidelberg - Prof. Dr. W. Kübler
  • 08/2001 Zusatzbezeichnung für Sportmedizin
  • 11/2001-05/2004 Postdoctoral Research Fellow an der University of Texas Southwestern Medical Center, Dallas, TX, USA - Prof. Ralph V. Shohet und Prof. Paul A. Grayburn
  • Seit 7/2004 Assistenzarzt in der Abteilung für Kardiologie, Pulmonologie, Angiologie der Universität Heidelberg - Prof. Dr. H. Katus

Auszeichnungen:

  • 2000 Ludolf-Krehl-Preis für Promotion
  • 2003 Young Investigator Award der American Society of echocardiography
  • 2003 Postdoctoral Research Fellowship Grant der American Heart Association (#0325010Y )
  • 2005 BioFuture Nachwuchsförderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

PORTRÄT-SERIE - HEUTE: RAFFI BEKEREDJIAN, aus der Financial Times Deutschland, 15.2.05, von Verena von Keitz

Treffsicherer Herztherapeut

Mit ungewöhnlichen Mitteln versucht sich Raffi Bekeredjian an einer neuen Art von Herztherapie: Er beschießt künstliche Gasblasen im Blut mit Ultraschall.

Im weißen Arztkittel gleitet der schlanke kleine Mann mit leicht vorgebeugtem Oberkörper durch die hellen Gänge der neu gebauten Heidelberger Universitätsklinik. Auf seine wissenschaftliche Arbeit angesprochen, bleibt Raffi Bekeredjian zurückhal- tend. "In erster Linie bin ich Arzt", betont der 32-Jährige, der noch mitten in der Ausbildung zum Facharzt für Kardiologie steckt. Seine Bescheidenheit ist unbegründet: Gerade zeichnete ihn das Bundesforschungsministerium mit dem Biofuture-Preis aus, vergeben für exzellente biotechnologische Wissenschaft. Raffi Bekeredjian entwickelte während eines zweieinhalbjährigen Forschungsaufenthaltes in den USA eine Methode weiter, mit der Medikamente und Gene in hohen Konzentrationen gezielt im Herzen freigesetzt werden könnten. Mit dem Preisgeld will der gebürtige Armenier die Methode in Heidelberg genauer untersuchen und wenn möglich auch klinisch testen. "Ich stehe aber noch ganz am Anfang und muss das Labor erst mal aufbauen", sagt Bekeredjian.

Er weiß, dass die Auszeichnung seiner Arbeit mit hohen Erwartungen einhergeht: "So ein Preis bedeutet auch eine große Verantwortung", erklärt er ernst. Der Erfolgsdruck scheint ein wenig auf seinen Schultern zu lasten.

"Raffi vereint wie wenige andere Hartnäckigkeit, Scharfsinn, Zuverlässigkeit und den Blick fürs Wesentliche", sagt Stefan Hardt, Arzt für Innere Medizin an der Uniklinik. "Schon als junger Doktorand war er nur zufrieden, wenn er sein Bestes gegeben hat."

Als Zweijähriger kam Raffi Bekeredjian mit seiner Familie nach Deutschland und wuchs im hessischen Korbach auf. Seine Liebe zum Herzen entdeckte er in den ersten Semestern seines Medizinstudiums in Göttingen, dann wechselte er nach Heidelberg und spezialisierte sich auf Ultraschalldiagnostik. "Er arbeitet und denkt sehr strukturiert und schießt nicht mal eben aus der Hüfte", meint sein Doktorvater Helmut Kücherer.

Der Professor lobt auch die Eigenständigkeit seines ehemaligen Doktoranden. Diese Eigenständigkeit brachte Bekeredjian letztlich in die USA: Er hatte die Publikation von Wissenschaftlern der University ofTexas gelesen, die kleine Gasbläschen, die normalerweise als Kontrastmittel zur Ultraschalldiagnostik im Einsatz sind, mit Viren beladen und dann per Ultraschall zerstört hatten. "Ich fand das eine geniale Idee und fragte einfach per E-Mail, ob sie nicht einen Postdoc brauchten - zufällig brauchten sie wirklich einen", erzählt er. InTexas belud Raffi Bekeredjian die Gasbläschen mit Enzymen, leitete sie ins Blut von Ratten und brachte sie mit Ultraschall genau dann zum Platzen, wenn sie in Herznähe waren. Vielversprechender Ansatz der Methode: Wirkstoffe könnten in hoher Konzentration genau dort freigesetzt werden, wo sie aktiv werden sollen - ohne den restlichen Körper zu belasten.

In den USA lernte Raffi Bekeredjian auch die Offenheit amerikanischer Wissenschaftler schätzen - Arbeitsbedingungen, die seiner Meinung nach in Deutschland viel zu selten sind: "Die Heidelberger Kardiologie-Abteilung ist aber eine Ausnahme, es herrschen eher amerikanische Verhältnisse im positiven Sinne." Ein Grund, warum ihm die Rückkehr nach Deutschland leicht fiel. Hier kann er auf hohem Niveau forschen und Patienten betreuen, auch wenn dies eine ganze Menge Zeit frisst. "Mit Sport sieht es deshalb im Moment nicht so gut aus", gibt der Herzspezialist zu und lacht. Immerhin radelt er so oft wie möglich zur Arbeit. In seiner Freizeit pendelt er meistens nach München zu seiner Frau. "Ich versuche, das in Etappen zu sehen: Jetzt gerade ist eine arbeitsintensive Etappe, aber irgendwann kommt wieder ein Ausgleich."

Interwiew:

Ihr schlechtestes Schulfach? Latein,

Mit welcher Technik stehen Sie auf Kriegsfuß?

Mit der richtigen Technik, Bestellformulare für die Verwaltung auszufüllen.

Welche Innovation brauchen wir am dringendsten?

Ein Pendant zum amerikanischen "National Institute of Health" - (NIH) als übergeordnete Organisation für Medizinforschung in Deutschland.

 

16. ALS-Akademie: Michael Kaloudis referierte am 17.1.05 über:
Wege zu umweltfreundlicheren Elektronikprodukten

kaloudis

Präsentation als PDF-Datei

 

Electronics Goes Green

Zu diesem Thema hielt im Rahmen der ALS-Akademie Professor Dr. Michael Kaloudis von der Fachhochschule Aschaffenburg am 17. Januar dieses Jahres im Musiksaal des Korbacher Gymnasiums einen Vortrag vor ca. 40 Zuhörern, unter ihnen auch einige Schüler, die eigentlichen Adressaten dieser Vortragsreihe. Kaloudis studierte nach dem Abitur an der Alten Landesschule Physik, war lange Zeit in der Industrie tätig, bevor er 1999 seine Lehrtätigkeit an der FH Aschaffenburg aufnahm.

Zu Beginn seiner Ausführungen wies Prof. Kaloudis auf die rasante industrielle Entwicklung im Bereich der Elektronik während der letzten 50 Jahre hin. Ihr Siegeszug begann 1947 mit der Erfindung des Transistors durch Shockley, Brattain und Bardeen (Nobelpreis 1956). Im Jahre 1958 gab es den ersten integrierten Schaltkreis (Nobelpreis 2000). 1970 hatte ein Chip 1000 Transistoren, 1980 bereits 100000. Heute hat der Pentium-4-Chip auf einer Fläche von der Größe einer Briefmarke über 200 Millionen Transistoren. Nach dem Mooreschen Gesetz (gilt noch für die nächsten 10 Jahre) verdoppelt sich die Chipleistung alle 2 Jahre. Fast kein Gebiet der Technik kann heute ohne Elektronik auskommen. Dabei verlangt man von ihr, dass sie leistungsstark, zuverlässig, kostengünstig und innovativ ist.

Die elektronischen Bauteile sind kurzlebig, aber weit verbreitet. Ein Vier-Personen-Haushalt besitzt ca. 80-100 Geräte, in denen Elektronik eingebaut ist. So entsteht eine große Menge Abfall. Im Jahr fallen in Deutschland 2 Mio. t Elektronikschrott (ES) in Deutschland an bei einer "Wachstumsrate" von 4 %. Von den 2 Mio t werden gegenwärtig 0,4 Mio t von den Bürgern für ein Recycling gesammelt.

Was die Zusammensetzung des ES betrifft, so handelt es sich um Keramik (Handy, PC-Festplatte) , Metalle, Kunststoffe usw. Dies alles ist voneinander zu trennen. Bei den enthaltenen Schadstoffen sind im wesentlichen Quecksilber, Cadmium, Arsen, Blei (40% der Bleibelastung der Deponien wird durch ES verursacht) zu nennen.

Inzwischen gibt es EU-Regeln darüber, wie viel ES zu sammeln bzw. zu recyceln ist. Auch sind einige Schadstoffe bereits verboten. Zieltermin für die Anwendung der Gesetze ist der 13.8.2005. Von diesem Tag an hat der Verbraucher das Recht, den Abfall kostenlos abzugeben. Ab 1.7.2006 dürfen bestimmte Produkte kein Blei, Cadmium, Quecksilber mehr enthalten.

Die Vermeidung von Blei ist zum Beispiel in der Löttechnik nicht einfach. Ersatzstoffe müssten aus technischen Gründen mit einer um ca. 40ºC höheren Betriebstemperatur arbeiten. Dies bringt neue Probleme mit sich, die lösbar, aber mit höheren Kosten verbunden sind. Ungeklärt ist auch, ob bleifreies Lötmaterial zuverlässig ist. So ist im Auto, wo es besonders auf Zuverlässigkeit ankommt, Blei noch eine Zeit lang erlaubt.

Das Recycling erfolgt in vier Stufen: Sammeln und Sortieren nach Kategorien, Demontage, Upgrading, Refining. Die kritischen Schritte sind die arbeitsintensive Demontage (Aussonderung von Schadstoffen) und das Upgrading (Zerkleinern, Trennen). Bei der Demontage sind die in vielen Bauteilen enthaltenen Batterien ein besonderes Problem: Sie sind oft nur schwer freizulegen, das bringt hohe (Lohn-) Kosten mit sich. Das manuelle Vorsortieren ist in Deutschland teuer, denn 50% der Recycling-Kosten sind Personalkosten. Wirtschaftlich gesehen ist Recycling in der Regel teurer als Wegwerfen und Neuherstellung. Es liegt auf der Hand, dass auch beim Recycling Automatisierung angestrebt wird. Das ist schwierig wegen der Verschiedenartigkeit des Abfalls. Man sollte den Hebel schon bei der Herstellung ansetzen und das Produkt demontagefreundlich machen.

Beim Upgradiing kommen folgende Möglichkeiten der Trennung in Betracht: magnetisch, elektrostatisch, Wirbelstromtrennung, Dichtetrennung. Natürlich ist die erste Methode beschränkt auf Stoffe wie Eisen oder Nickel. Bei der elektrostatischen Methode entladen sich die Partikel leitfähiger Stoffe nach Aufladung von außen sofort wieder, die Isolatorenstoffe (z.B. Kunststoffe) haften dagegen auf der Unterlage, werden später "heruntergebürstet". Das Hauptproblem ist die Trennung der Kunststoffe voneinander. Hier kommt das Dichteverfahren in Betracht. Es nutzt, wie der Name sagt, die ? hier oft allerdings nur geringen ? unterschiedlichen Dichten der Stoffe aus. Bei einem der Verfahren namens Hydrozyklon werden durch Erzeugung komplizierter Wirbel schwerere Materialien nach außen gedrückt, leichtere bleiben innen, fliegen dann nach oben heraus und sind somit von den schwereren getrennt. Eine weitere Verbesserung kann durch Kaskaden (mehrere Anlagen hintereinander) erreicht werden. Ein Problem ist, dass Produkte aus recycelten Stoffe nicht universell brauchbar sind, äußerlich Ansprechendes macht manchmal "Neuherstellung" erforderlich.

In der Zusammenfassung stellte Kaloudis fest:

Die Menge des Elektronikschrotts wächst, sie ist komplex zusammengesetzt. Gesetzliche Regelungen sind nötig (ohne Druck geschieht bekanntlich wenig), sollen auch bald wirksam werden. Es ist zu hoffen , dass bei der Herstellung schon an das mögliche Recycling gedacht wird, dass dabei weniger Schadstoffe erzeugt werden, dass die Verwertungsverfahren weiter verbessert werden; das Rücknahmesystem ist auszubauen, längere Lebensdauer und Reparaturfreundlichkeit (gegen den Trend) anzustreben. Dies alles sollte möglichst durch die Herstellerfirmen selbst geschehen, was auch wirtschaftlich für diese Sinn machen kann. Für den Verbraucher lautet der Ratschlag: Längere Nutzung der Geräte, später Trennung der Materialien.

Friedhelm Brand Zur Person des Referenten in Stichworten: *Abitur an der ALS vor 20 Jahren * Dipl.-Phys., Diss. Auf dem Gebiet der Molekülphysik * 1996-1999 Fertigungstechnologe bei den Blaupunkt-Werken (Autoradios und Fahrerinformationssysteme) * Seit WS 1999 Prof. für Physik und Werkstofftechnik an der Fachhochschule Aschaffenburg (Leitung der Labore Werkstofftechnik und Aufbau- und Verbindungstechnik in der Elektrotechnik) * Seit 2002 Leiter des Steinbeis-Transferzentrums für Werkstoff- und Verbindungstechnik (Laboruntersuchungen und Gutachten für Industriekunden)

 

15. ALS-Akademie: Mathias Vollbracht referierte am 18.11.04 über:
Medienberichte und ihre Wirkung

mathias vollbracht

Matthias Vollbracht, der 36-jährige Sohn eines ehemaligen ALS-Lehrers, stellte in der Akademie der Alten Landesschule die Arbeitsweise des Bonner Instituts "Medien Tenor" vor. Anhand praktischer Beispiele versuchte er die Frage zu beantworten, wie mächtig die Medien wirklich sind.

Ausgangspunkt seines Referats war die Frage, warum nutzen Menschen Medien überhaupt? Als Antworten ergaben sich: zur Unterhaltung, zur Information, bei Jugendlichen zur Gruppenidentitätsbildung und zur sozialen Orientierung sowie zur Auseinandersetzung mit aktuellen Themen. Kinder wollen vor allem Spannung, Spaß und Wissenserweiterung, benutzen die Medien aber auch zum Eskapismus, zur Flucht vor der Realität in eine imaginäre Scheinwirklichkeit zudem wollen sie das Bedürfnis befriedigen, mitreden zu können.

Konsum kann beeinflussen

Medienkonsum kann die Handlungen des Einzelnen direkt beeinflussen (die so genannten Nachahmungseffekte). Außerdem schaffen Medien neue Realitätsfelder, indem sie vorgeben, welche Themen wichtig sind und welche Werte "in" beziehungsweise "out" sind. Sie können aber auch die Sprache und das Ausdrucksvermögen beeinflussen. Die so genannte Agenda-Setting-Theorie besagt als Erklärungsansatz für die Wirkung der Medien, dass von drei Grundannahmen auszugehen ist:

  • Es gibt eine Rangordnung der Wichtigkeit von Themen in der Berichterstattung, genannt Medien-Agenda.
  • Es gibt eine Rangordnung der Wichtigkeit von Themen in der Bevölkerung, genannt Public-Agenda.

Die beiden Agenden können miteinander verglichen werden.

Kein Spiegel der Realität

Bei diesem Vergleich lässt sich der Grad der Beeinflussung der Bevölkerungsmeinung durch die Themen in der Berichterstattung feststellen. Allerdings ist die Medienrealität kein direkter Spiegel der Wirklichkeit, dennoch wirken beide zusammen und schaffen eine neue Blickrichtung auf die Dinge, so dass man sagen kann, was nicht in den Medien ist, ist auch kein Thema großer öffentlicher Diskussion. Zuweilen klaffen jedoch Berichterstattung und Realität weit auseinander.

Wie weit beispielsweise die Berichte der Fernsehnachrichten über bestimmte Themen, wie den Irak-Krieg oder die Präsidentenwahl in den USA, die Einstellung der Zuschauer beeinflussen, lässt sich durch gezielte Medieninhaltsanalyse und Bevölkerungsbefragung relativ genau ermitteln. Allerdings zeigt sich bei diesen beiden Beispielen ebenso, wie unterschiedlich die Schwerpunkte in den amerikanischen und den deutschen Medien von den jeweiligen Journalisten gewählt wurden: Antikriegshaltung auf deutscher und Patriotismus auf amerikanischer Seite.

Nicht allmächtig

Als Fazit und Antwort auf die Frage nach der Macht der Medien lässt sich nach den Worten von Vollbracht folgendes Grundsätzliche sagen: Medien haben Einfluss, sind aber nicht allmächtig; ihre übermittelten Inhalte sind immer Ergebnis einer bewussten Entscheidung der Medienschaffenden. Entscheidend jedoch ist, Medien bestimmen nicht so sehr, wie gedacht, sondern worüber nachgedacht oder auch nicht nachgedacht wird - je nach Agenda-Setting (Präsentation) und Agenda-Cutting (Weglassen).

Schulleiter Robert Gassner hatte sicher Recht, als er am Ende des Referates von Matthias Vollbracht bemerkte, dieser Abend sei eine Sternstunde der ALS-Akademie in diesem Jahr gewesen. Lang anhaltender Beifall dankte dem Referenten für einen Vortrag der besonderen Art.

Institut für Analyse

Vollbracht legte sein Abitur in Korbach 1987 ab, studierte Volkswirtschaft und Kommunikationswissenschaft, war zeitweise als Wirtschaftsjournalist tätig und dann am Aufbau des privatwirtschaftlichen Instituts für Medienanalyse "Medien Tenor" mit Sitz in Bonn beteiligt. Er ist derzeit als Redakteur für den Bereich Wirtschaftsanalyse verantwortlich.

Das 1994 auf Initiative des Instituts für Demoskopie Allensbach (Prof. Noelle-Neumann) gegründete Institut hat es sich zur Aufgabe gesetzt, kontinuierlich die meinungsführenden deutschen und ausgewählte internationale Medien mit Hilfe eines sozialwissenschaftlichen Verfahrens einer Inhaltsanalyse zu unterziehen. In monatlich erscheinenden Forschungsberichten werden die Ergebnisse der Untersuchung der Öffentlichkeit vorgestellt. Die über 200 Mitarbeiter verteilen sich auf Büros in Bonn, Berlin, London, New York, Pretoria und Zürich.

Konrad Heuser

 

14. ALS-Akademie: Werner Rabe referierte über:
Der Herr der Ringe

Auf einen Plausch mit van Almsick, "Kretsche", Schüttler und Co.

rabe

Der olympische Gedanke übte immer schon eine Faszination auf ihn aus. Werner Rabe, Leiter des Programmbereichs Sport und Freizeit beim Bayrischen Rundfunk und Fernsehen und ehemaliger Schüler der Alten Landesschule (Abi 1968), referierte am 23.11. 2004 im Rahmen der ALS-Akademie zu dem Thema "Olympia".

Begonnen hat das olympische Fieber bei ihm 1972 bei der Olympiade in München, wo Rabe zum ersten Mal mit dabei sein durfte, um als Sportredakteur der Waldeckischen Landeszeitung direkt von den Wettkämpfen zu berichten. Seitdem hat er 14-mal olympische Sommer-, bzw. Winterspiele live miterlebt und kommentiert. Doch was ist das Faszinierende an Olympia, den Spielen der griechischen Antike, die durch König Otto von Bayern und Pierre Baron de Coubertin in der Neuzeit wiederbelebt wurden? Für Rabe ist es immer wieder ein besonders Erlebnis: diese unglaubliche Atmosphäre, die Vereinigung von Nationen, das Mannschaftsgefühl der Sportler und die Tatsache, dass Olympia alle Schwierigkeiten, Anschläge und Attentate überdauert hat.

Lebhaft und bildhaft berichtete Rabe von seinen Erlebnissen bei Olympia, sodass die Zuhörer gebannt und manchmal schmunzelnd seinen Ausführungen über die Welt hinter den Kulissen des Sporthighlights Olympia folgen durften. Manch nette Anekdote wurde zum Besten gegeben, z.B. die Verbindung von Heiner Brand und seinen Handballern zu den Boxern, die Herkunft von "Kretsches" Athen-Pulli, van Almsicks TV Auftritte und die Verbundenheit Rainer Schüttlers zum olympischen Dorf von Rabe erläutert wurden. Aber auch kritische Anmerkungen zu Olympia fehlten nicht, denn er sieht Olympia, gerade nach Athen 2004, durch ein großes Krebsgeschwür bedroht. Doping, "gezüchtete Sportler" aufgrund der Gen- Technologie , Ausbreitung des Kommerzes und Terror stellen ein immer größeres Problem für den Sport dar.

Insgesamt bewertet er Athen 2004 als eine gelungene "Symbiose zwischen Vergangenheit und Gegenwart", merkt jedoch an, dass die Sportler heute oft an zu hohen Maßstäben und von der Bevölkerung und den Medien zu kritisch beurteilt werden würden. Das Abschneiden der deutschen Sportler in Athen sei ein Anlass, ganz neue Strukturen durchzusetzen und neue Wege zu gehen, so zum Beispiel mehr individuelles Training, wie im Wintersport und neuerdings auch im Fußball.

Trotz aller Schattenseiten zieht er ein positives Fazit, denn was Olympia ausmacht, seien diese unglaubliche Atmosphäre und die unglaublichen Momente, die Sportler, Zuschauer, Politiker und Journalisten beeindrucken, fesseln und miteinander verbinden.

Eva-Maria Müller, Klasse 11d

 

13. ALS-Akademie: Prof. Dr. Martin Zenke referierte über:
Stammzellen in Forschung und Medizin

Zum Abschluss der 425-Jahr-Feier der Alten Landesschule Korbach hielt Prof. Dr. Martin Zenke, Abiturient des Jahrgangs 1972, einen Vortrag über sein Arbeitsgebiet, die Stammzellforschung. Am Montag, den 17. Mai, fand die Veranstaltung der ALS und ihres Ehemaligenvereins um 19.30 Uhr im Musiksaal statt.

Martin Zenke, gebürtiger Lelbacher, ist seit dem vorigen Jahr Professor für Zellbiologie und Direktor am Helmholtz-Institut für biomedizinische Technologie des Universitätsklinikums Aachen. Nach dem Chemie-Studium (Fachrichtung Biochemie) in Marburg promovierte er 1982 in Heidelberg mit einer Arbeit über Tumorviren. 1992 folgte die Habilitation in Molekularer Genetik an der Universität Wien. Vor seinem Ruf an die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen hat Prof. Zenke die Forschungsgruppe „Molekulare Zellbiologie hämatopoetischer (Blut bildender) Zellen“ am Max-Delbrück-Zentrum für molekulare Medizin in Berlin geleitet. Hier erforschte er vor allem Blut bildende Stammzellen und ihre Entwicklung zu spezialisierten Körperzellen.

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Die Stammzellforschung hat in den letzten Jahren großes Interesse bei einer breiten Öffentlichkeit gefunden, insbesondere wegen der möglichen Anwendung humaner embryonaler Stammzellen in der medizinischen Therapie. Bei einer in zunehmendem Maße alternden Bevölkerung in den industrialisierten Ländern eröffnen sich durch den Fortschritt in der Stammzellforschung neue Therapiemöglichkeiten, die in der breiten Öffentlichkeit und auch in der Politik kontrovers diskutiert werden.

Veranschaulicht durch eine vorbildliche Powerpoint-Präsentation, die besonders auch den zahlreich anwesenden Schülern gefiel, hat sich Prof. Zenke an fünf Punkten orientiert:

  • Wozu brauchen wir Stammzellen?
  • Was sind Stammzellen?
  • Wie isolieren wir Stammzellen?
  • Stammzellen in der Wissenschaft
  • Stammzellen in der Medizin

Wir wissen heute, dass so genannte gewebespezifische Stammzellen in fast allen Organen vorkommen und besonders dort, wo durch die natürlichen Gegebenheiten alte Zelle absterben und durch neue ersetzt werden müssen, wie z. B. in der Haut und bei den Blut bildenden Zellen. So entstehen täglich bei einem Menschen 100.000.000.000 Rote Blutzellen im Knochenmark durch Zellteilung und Reifung aus Blutstammzellen, um den Sauerstofftransport im Körper zu gewährleisten. Es können aber auch andere Zelltypen wie Makrophagen oder Dendritische Zellen aus Blutstammzellen hervorgehen.

Von den gewebespezifischen (oder auch adulten oder somatischen) Stammzellen wie den Blutstammzellen, die multipotent sind und daher als „Vielkönner“ bezeichnet werden, sind die embryonalen Stammzellen (ES-Zellen) zu unterscheiden. ES-Zellen leiten sich aus frühen embryonalen Zellen der so genannten Blastozyste ab und ihre Isolierung führt zwangläufig zum Verlust des Embryos. ES Zellen sind totipotent („Alleskönner“), d. h. sie können sich in alle Zelltypen eines Organismus entwickeln. ES-Zellen der Maus werden seit vielen Jahren in der Wissenschaft zur Herstellung von genetisch modifizierten (so genannten transgenen oder knockout) Mäusen verwendet. Die Isolierung humaner ES-Zellen und ihre mögliche Verwendung in der medizinischen Therapie werden wegen der schwerwiegenden ethischen Bedenken sehr kontrovers diskutiert. Auch werden Studien mit humanen ES-Zellen in verschiedenen Ländern wegen unterschiedlicher Gesetzeslage und kulturell/religiösem Hintergrund sehr unterschiedlich gehandhabt. Demgegenüber wird die Verwendung von adulten gewebespezifischen Stammzellen in Wissenschaft und Forschung und auch in der medizinischen Therapie als ethisch unbedenklich eingestuft und in Deutschland von Wissenschaftlern und dem Gesetzgeber bevorzugt.

Die Isolation von Blutstammzellen aus dem Knochenmark der Maus gab Einblick in die Labortechniken der Zellforscher: Alle „Nicht-Stammzellen“ eines Gewebes können mit Magneten spezifisch markiert werden und anschließend in einem Magnetfeld zurückgehalten werden. Die nicht markierten Stammzellen dagegen passieren das Magnetfeld und werden gesammelt. Nach einer anderen Methode, dem Fluoreszenz-aktivierten Zellsortieren, können die Stammzellen in einem elektrischen Feld von den übrigen Zellen eines Gewebes abgetrennt werden.

Ein wichtiges Gerät war so klein, dass es von Hand zu Hand gereicht und angeschaut werden konnte: Es handelte sich um einen „DNA-Chip“, mit dem man erkennen kann, welche Gene der Stammzellen aktiv sind.

Im letzten Teil des Vortrags ging es um die Bedeutung der Stammzellen in der Medizin. Was ist hier zu erwarten? Eine Reihe hochkarätiger Publikationen deutete in den letzten Jahren darauf hin, dass gewebespezifische Stammzellen ein sehr viel breiteres Entwicklungspotenzial haben können als ursprünglich angenommen und damit Eigenschaften von ES-Zellen besitzen. So wurde gefunden, dass Stammzellen des Blut bildenden Systems nicht nur Blutzellen ergeben können, sondern auch Leberzellen und Nervenzellen. Entsprechend konnten auch Nervenstammzellen zu Blutzellen werden. Diese zunächst hochinteressanten und für die medizinische Therapie äußerst bedeutsamen Ergebnisse wurden in den letzten 1-2 Jahren angezweifelt und konnten in verschiedenen Labors nicht reproduziert werden.

Gleichwohl wurden bereits erste klinische Studien begonnen, bei denen Stammzellen aus dem Knochenmark (die im Wesentlichen Blutzellen ergeben) in Infarkt geschädigte Herzmuskulatur injiziert wurden. Hierbei wurden sowohl ermutigende (positive) als auch kritische (bedenkliche) Ergebnisse erzielt. Der Zell- und Gewebeersatz für die regenerative Medizin durch ES-Zellen und Gewebestammzellen wird weiterhin ein wichtiges Gebiet cytologischer Forschung sein.

Anschließend an den Vortrag wurden zahlreiche Fragen gestellt und beantwortet, teilweise zu eher technischen Details, zum Teil aber auch zu möglichen therapeutischen Ansätzen bei verschiedenen Krankheiten. Es wurde dabei deutlich, dass es sich hier um ein Forschungsgebiet handelt, das wegen großer Hoffnungen, aber auch noch zu leistender Grundlagenarbeit sowie ethischer Bedenken, besonders im Hinblick auf die verbrauchende Embryonenforschung, im Brennpunkt des öffentlichen Interesses steht.

 

12. ALS-Akademie: Julia Koch referierte über:
PISA und die Medien

koch

 

Thema Bildung hat neuen Stellenwert

Julia Koch, Abiturientin des Jahrgangs 1991 an der Alten Landesschule, inzwischen leitende Wissenschaftsjournalistin beim Nachrichten- magazin Der Spiegel, griff in der ALS-Akademie bei Ihrem Vortrag "PISA und die Medien" ein Thema auf, dass auch heute, (drei Jahre nach Erscheinen der OECD-Studie zum internationalen Schulleistungsvergleich in Deutschland, die Gemüter bewegt. Sie fragte nach den Intentionen des weltweiten Tests, dem Interesse der Medien an den Ergebnissen sowie nach den Folgen für die Bildungspolitik und wies auf die weiteren Untersuchungen in Mathematik und Naturwissenschaften hin.

PISA (Programme for International Student Assessment) ist inzwischen beim Volk der Dichter und Denker zum Synonym für Bildungsmisere geworden und nicht mehr die Bezeichnung eines historischen Gebäudes in Italien. Es handelt sich dabei um die größte internationale Schulleistungsuntersuchung, die es je gab. In Deutschland wurden 5000 Schüler an 219 Schulen - auch die ALS war dabei - getestet und weitere 50.000 Schüler als Ergänzung der Studie für einen Vergleich der Bundesländer untereinander.

Schwerpunkt des Tests war die Ermittlung der Lesekompetenz 15-Jähriger aller Schulformen am Ende der Pflichtschulzeit, wobei die deutschen Jugendlichen alarmierende Defizite aufwiesen und im "Ranking", der Platzierung, unter 33 Nationen nur den 21. Platz erreichten. In Mathematik und in den Naturwissenschaften, wo die Grundbildung ebenfalls getestet wurde, langte es ebenfalls nur zu einem mageren 20. Platz.

Es ging bei dem Test nicht um Wissen in Deutsch, sondern um die Frage, wie gehen Schüler mit Wissen um, das heißt, wie groß ist ihre Fähigkeit, aus Texten wichtige Informationen zu gewinnen. "Reading Literacy"- war gefragt, ein im Deutschen schwer zu übersetzender Fachausdruck. Er bedeutet: erstens Informationsgewinnung, zweitens Interpretation und drittens Abgleich mit der Wirklichkeit. Kurz: Es sollte ermittelt werden, wieweit Schüler für die Wissensgesellschaft von morgen vorbereitet sind.

Bis heute aktuell geblieben

Erschreckend für deutsche Pädagogen und Wissenschaftler war vor allem der mit 23 Prozent ungewöhnlich hohe Anteil schwacher bzw. extrem schwacher Leser im Industriestandort Deutschland - darunter zehn Prozent, die simple Texte überhaupt nicht verstehen können. Das wirft ein äußerst schlechtes Licht auf das deutsche Schulsystem. Ein weiteres wichtiges Ergebnis: In kaum einem Land sind soziale Herkunft und Schulerfolg so eng gekoppelt wie in Deutschland.

Ungewöhnlich groß war das Medieninteresse an den Ergebnissen der PISA-Studie, die bis heute aktuell geblieben ist - allein schon deshalb, weil schlechte Nachrichten für die Medien interessanter sind als gute („bad news is good news"). Im Übrigen sei, so Julia Koch, der Aufschrei der Medien nirgendwo so groß gewesen wie in Deutschland, wo frühere Studien wie zum Beispiel die TIMMS-Studie (Third International Mathematics and Sience Study), bei der es um das Produzieren von Lösungen und das Anwenden von Formeln ging, für wenig Aufregung gesorgt hätten. Genauso interessant wie die Ergebnisse sei jedoch für die Presse auch gewesen, wer sie zuerst herausbringen würde, nachdem bereits Tage zuvor wesentliche Ergebnisse durchgesickert waren. In Nr. 40 vom 10. Dezember 2001 brachte dann Der Spiegel in der Titelgeschichte »Sind deutsche Schüler doof?"eine eingehende Präsentation mit Hintergrundanalysen der Gesamt- problematik.

Wie reagierte die politische Öffentlichkeit auf den PISA-Schock? Neben den massenhaft einsetzenden Wallfahrten nach Finnland, das am besten abgeschnitten hatte und darüber nicht wenig überrascht war, überboten sich die Parteien mit einer Flut von Lösungsansätzen, denn kein Bildungspolitiker konnte es sich leisten, hier zu schweigen.

Reformprojekte angestoßen

Eine gewisse Ablenkung von der grundsätzlichen Misere bot nach Ansicht von Julia Koch das Ranking der deutschen Bundesländer im Jahr 2002, bei dem Bayern, und Baden-Württemberg am besten und Bremen am schlechtesten abschnitten, während die Stadtstaaten Hamburg und Berlin sich erst gar nicht beteiligten.

Konkret ergaben sich als Konsequenz aus dem schlechten Abschneiden der deutschen Schüler inzwischen eine Reihe von Reformprojekten, wie die Forderung nach Ganztagsschulen, wozu die Bundesregierung vier Milliarden Euro bereitgestellt hat, die Erstellung von Bildungsstandards durch die Kultusministerkonferenz, die Einrichtung von Sprachkursen für die Vorschulkinder, vor allem für Aussiedler- und Migrantenkinder, sowie die Einsicht, dass die Kindergärten eine gezieltere Vorbereitung auf den Schulunterricht wahrnehmen müssen.

Auch die Diskussion um die Gesamtschule, die Regelschule in den erfolgreichen nordischen Ländern, flammt gelegentlich wieder auf, so beispielsweise in Nordrhein-Westfalen. Insgesamt, so das Fazit der Referentin, habe sich in den Medien die Wahrnehmung von Schule verstärkt und das Thema Bildung einen neuen Stellenwert erhalten.

Mehr als nur Kosten

In der sich anschließenden ausgedehnten Diskussion mit und unter den etwa 80 Teilnehmern an der zwölften ALS-Akademie wurden einzelne Punkte des Referats vertieft, aber darüber hinaus von den interessierten Eltern und Pädagogen auch viele grundsätzliche Bildungs- und Erziehungsfragen angesichts der veränderten gesellschaftlichen Verhältnisse angesprochen, ohne dass immer befriedigende Antworten gefunden werden konnten. Zudem machte die Journalistin klar, dass es nicht das primäre Anliegen der Presse sei, das Bildungssystem zu verändern oder den Lehrern Ratschläge zu erteilen, sondern zu informieren und zu analysieren. Allen wurde jedoch deutlich, dass für die Schulbildung in Deutschland, dessen Ressourcen vor allem aus Bildung bestehen, Investitionen in diesem Bereich vermehrt und endlich nicht mehr nur als Kosten angesehen werden müssen. Schulleiter Robert Gassner, der Initiator der ALS-Akademie, der auch die Diskussion geleitet hatte, dankte der ehemaligen Schülerin Julia Koch.

Durch ihr Referat sei der Wert der Bildung in unserer so materiell ausgerichteten Gesellschaft erneut bewusst geworden. Den nächsten Vortrag kündigte er für den 17. Mai mit Prof. Dr. Martin Zenke zum Thema Stammzellenforschung an.

Von Konrad Heuser, aus der WLZ vom 7.5.04

 

11. ALS-Akademie: Dr. Markus Lamm referierte über:
Auf der Suche nach den Ursprüngen des Universums

Vom Szenario zur Theorie

Dr. Markus Lamm vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg (dort Promotion), ehemaliger Schüler der Alten Landesschule, Abitur 1993, zur Zeit Referendar für Mathematik und Physik am Gustav-Stresemann-Gymnasium in Bad Wildungen, referierte im Rahmen der ALS-Akademie vor ca. 60 Zuhörern über den Stand der astronomischen Forschung zur Entstehung des Kosmos.

lamm

Am Anfang dieser Zeitreise von 13 Milliarden Jahren stellte der Vortragende, der selbst längere Zeit an der europäischen Sternwarte in La Silla in Chile tätig war, Beruf und Arbeitsweise des Astronomen vor. Abgesehen davon, dass die Zahl der Teleskope begrenzt ist, findet gegenwärtig die Beobachtung des gestirnten Himmels mehr über CCD-Kameras statt als mit dem Auge am Teleskop. Standorte von Fernrohren sind hohe Berge (atmosphärische Bedingungen) abseits von besiedeltem Gebiet (Lichtverschmutzung) und auch der Weltraum, zum Beispiel das bekannte Hubble-Teleskop. Aber auch bei Boden-Teleskopen ist es heute möglich, Bildbeeinträchtigungen "herauszurechnen".

Was zeigt die Beobachtung bzw. das Bild der Kamera (Langzeitbelichtung!)? Abgesehen von den zu unserem Sonnensystem gehörenden Himmelskörpern sind es zunächst die Sterne der Galaxis (Milchstraße), von denen das bloße Auge vielleicht 5000-6000 erkennen kann. Tatsächlich enthält unsere Galaxis jedoch etwa 100 Milliarden Sterne. Veranschaulicht man die Sterne durch Reiskörner, so würden sie bei dichter Packung das Innere der Korbacher Kilianskirche gänzlich ausfüllen. Sterne entstehen in riesigen Gasnebeln. Das Wort "Nebel" wird aber auch in anderem Sinn benutzt, zum Beispiel im Fall des mit bloßem Auge sichtbaren Andromeda-Nebels, bei dem es sich um eine Galaxie mit ebenfalls Milliarden von Sternen weit außerhalb unserer eigenen Galaxis handelt. Das weiß man, seitdem Hubble im Jahre 1929 erstmals einzelne Sterne im Andromedanebel ausmachen konnte. (Schon Galilei hatte die Wahrheit über das Wesen der Milchstraße erkannt, und Immanuel Kant hatte die richtige Vermutung bezüglich der Nebelgebilde). Der Andromedanebel hat bei einem Durchmesser von 150000 Lichtjahren eine Entfernung von 2,2 Millionen Lichtjahren (das sind 20 Trillionen km, wobei 1 Trillion eine 1 mit 18 Nullen ist. Wäre die Sonne so groß wie ein Buchstabe auf dieser Druckseite, so befände sich bei gleichem Maßstab der Andromedanebel auf dem Mond). Aus Hochrechnungen ergibt sich, dass etwa 100 Mrd. Galaxien existieren. Damit kommt man auf 10 hoch 22 Sterne im Weltall.

Wichtig für das Thema ist die Bewegung der Galaxien. Kenntnisse darüber hat man im Wesentlichen aus der Deutung ihrer Spektren gewonnen. Man weiß, dass sich Galaxien in der Entfernung von 4 Milliarden Lichtjahren mit der ungeheuren Geschwindigkeit von 61000 km pro Sekunde bewegen. Hubble fand heraus, dass fast alle von uns und auch voneinander fort streben. Wir sind dabei keineswegs das Zentrum von allem, es gibt auch keinen anderen Punkt mit dieser Eigenschaft. Es ist das Universum selbst, das sich ausdehnt. Aus diesen Tatsachen entstand Mitte der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts (Lemaître, Gamow) die Idee, dass einmal alles dicht zusammengedrängt war, was, wie bei einer Luftpumpe bei gedrücktem Kolben, gleichzeitig heißt, dass das damalige Universum sehr heiß war. Damit ist man bei der Urknall-Theorie("Big Bang"). Die Theorie war bis in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts umstritten - es gab u.a. noch die so genannte Steady-State-Theorie eines im Wesentlichen unveränderlichen Universums -, bis Penzias und Wilson 1964/65 die Hintergrundstrahlung entdeckten (1978 erhielten sie dafür den Nobelpreis). Weil die Theorie der Strahlung eines schwarzen Körpers bei einer Temperatur von 3 K sehr gut mit diesen Beobachtungen übereinstimmte, war die Entdeckung der Hintergrundstrahlung eine wichtige Stütze für das Urknallmodell. Die Hintergrundstrahlung entstand, als das Universum ca. 300000 Jahre alt und noch sehr heiß war. Sie war vor 15 Mrd. "blau", heute ist sie "rot" (wegen der Ausdehnung).

Dr. Lamm entwickelte dann die Einzelheiten des Urknallmodells. Das Szenario sei nicht in jeder Phase streng nachgewiesen, vieles spreche aber für den folgenden ungefähren Ablauf. Hintergrund ist die "Allgemeine Relativitätstheorie" von Albert Einstein, aber auch die Quantenphysik.

Grundannahmen: Das Universum war zunächst heiß und dicht. Bei solchen Bedingungen verlieren die bekannten physikalischen Gesetze ihre Gültigkeit. Ferner: Das Universum ist homogen und isotrop, das heißt, es weist in allen Richtungen die gleichen Eigenschaften auf. Die wesentlichen Ereignisse finden in den ersten drei Minuten des Universums statt. Nach der ersten Mikrosekunde sind Protonen, Neutronen und ihre Antiteilchen entstanden. Danach, noch in der ersten Sekunde, bilden sich Elektronen und Positronen. Das Universum hat sich auf einige Milliarden Kelvin "abgekühlt". Nach drei bis vier Minuten entstehen die ersten Atomkerne, und zwar die der leichteren Elemente, hauptsächlich Wasserstoff. Schwerere Elemente wurden erst später im Inneren von Sternen erzeugt und bei deren Explosion ins All geschleudert. Bei der Wiederverdichtung konnten weitere, auch die für das Leben wichtigen Stoffe entstehen. Wir alle sind "Kinder des Weltalls".

Das Universum war in dieser ersten Zeit "undurchsichtig", die Strahlung wurde ständig an den Elektronen gestreut und so an der direkten Ausbreitung gehindert. Nach 300000 Jahren bilden sich Atome, indem die Kerne sich Elektronen als Atomhüllen einfangen, die obige Streuung findet nicht mehr statt, das Universum wird "durchsichtig" (siehe Schöpfungsgeschichte: "es ward Licht"). Als "Nachleuchten" beobachten wir die Hintergrundstrahlung.

Für die weitere Entwicklung des Universums gibt es drei Möglichkeiten: 1. Offenes Universum: die Ausdehnung geht ohne Ende weiter, Modell Sattelfläche. 2. Flaches Universum: die Ausdehnung setzt sich ebenfalls ständig fort, aber nur "gerade noch", Modell Ebene. 3. geschlossenes Universum: Nach einer Phase der Ausdehnung kommt es schließlich wieder zur Kontraktion, alles fällt in sich zusammen, Modell Kugel.

Welche dieser Möglichkeiten eintreten wird, hängt ab von der Gesamtmenge der Materie im Universum, diese wiederum von dem noch nicht hinreichend bekannten Anteil an "dunkler" Materie. Vieles spricht für die zweite Möglichkeit.

Eine Theorie des Urknalls hat vor allem drei Probleme zu lösen: das der Anfangssingularität, das Horizontproblem (die Hintergrundstrahlung ist aus allen Richtungen gleich, was wohl Zufall ist) und das der Strukturbildung (wie entstehen Galaxien?) Mögliche Antwort: durch zufällige kleine Inhomogenitäten in der Materieverteilung, das wurde bestätigt durch Computer-Simulationen). Die Lösung scheint in der Annahme eines inflationären Universums zu liegen. Die Inflation (heftige, rasche Ausdehnung während extrem kurzer Zeit) beginnt, wenn in einem kleinen Bereich Unterschiede zu Stande kommen. Das inflationäre Szenarium sagt ein flaches Universum voraus. Gemäß der Gleichung E = mc2 wird am Ende der Inflation aus Energie Masse. Wo zufällig weniger Energie zur Verfügung steht, ist demnach weniger Masse vorhanden (Dichtefluktuationen).

Wie steht es mit der Nachprüfbarkeit?

In der Hintergrundstrahlung müssten Schwankungen der Temperatur entstehen, es gibt eine spektrale Verteilung. Neueste Messungen mit Satelliten ergaben bei schärfster Auflösung eine Bestätigung der Theorie. Einstein führte, damit seine Feldgleichungen die Möglichkeit eines Steady-State-Universums zuließen, eine kosmologische Konstante Lambda ein, was er später einmal seine "größte Eselei" nannte. Die Einsteinsche Lambda-Konstante würde die Ausdehnung beschreiben. Heute glaubt man eher an die Berechtigung von Lambda. Nach heutigem Kenntnisstand ist also das Universum 13,7 Mrd. Jahre alt, es ist flach, die Lambda-Konstante treibt es auseinander, nur 3 % der Materie ist sichtbar, der Rest ist "dunkle" Materie.

Die anschließende lebhafte Diskussion mit dem fachkundigen Publikum kreiste um Fragen wie: Was war "vor" dem Urknall? Kam die Zeit erst mit der Materie in die Welt, wie es Stephen Hawking formuliert? Gibt es andere Universen? Gab es mehrere möglicherweise verschieden große Bangs? Vermischen sich am Anfang Raum und Zeit? "Weiß" der Raum, dass er sich auszudehnen hat? Welche Rolle spielen die schwarzen Löcher? Welches ist der heutige Bestwert der Hubble-Konstante, die eine Beziehung herstellt zwischen Abstand der Galaxien und der Geschwindigkeit, mit der sie sich entfernen? Die Antwort auf die letzte Frage führt nach Umrechnung auf ein Weltalter von 13,7 Milliarden Jahren, wie oben erwähnt.

Friedhelm Brand

 

10. ALS-Akademie: Gertmann Sude referierte über:
Die Bundeswehr im Wandel der Zeit - persönliche Erfahrungen seit 1968

sude

"Vom Hohen Meißner zum Hindukusch, von der Landesverteidigung zur Terrorismusbekämpfung - 55 Jahre Bundeswehr" war das Thema eines Vertrages, den der Kommandeur der Panzerbrigade 14 in Stadt Allendorf, Brigadegeneral Gertmann Sude aus Dorfitter, am Donnerstag an der Alten Landesschule Korbach hielt. General Sude referierte im Rahmen der ALS-Akademie als "Ehemaliger", der 1968, noch an der alten Alten Landesschule, sein Abitur "baute", um danach Soldat zu werden.

Im Rückblick auf die 55 Jahre seiner Dienstzeit wurde der enorme Wandel der sicherheitspolitischen Lage in Europa wieder deutlich:

1968 erschien die Teilung Deutschlands und Europas unverrückbar fest. Das nukleare Gleichgewicht des Schreckens sicherte einen prekären Frieden. Auf Seiten des Warschauer Paktes standen 15.ooo Panzer, die im Kriegsfall bei gleichzeitigem Einsatz von Nuklearwaffen über das Ruhrgebiet und den Rhein zur Atlantikküste vorstoßen sollten. Dementsprechend waren die Divisionen der Bundeswehr hinsichtlich ihrer Ausbildung und Ausrüstung auf Panzerschlachten eingestellt.

In der gleichen Zeit, 1968, kam in den westlichen Gesellschaften Unruhe auf: in Anknüpfung an den Vietnamkrieg entstand eine antiamerikanische und zunehmend linksradikale Bewegung, die in den 70er Jahren in die terroristische RAF mündete. In der Bundeswehr schlug sich diese Stimmung im Ansteigen der Zahlen der Wehrdienstverweigerer nieder und auch, beispielsweise, in skurrilen Haarmoden, worauf die Oberste Führung mit der Ausgabe von Haarnetzen reagierte.

In den 70er Jahren entkrampfte sich zunächst das weltpolitische Klima: neben die Hochrüstung trat als 5. Säule der Sicherheitspolitik die Entspannungspolitik. Die praktische Konsequenz waren vertrauensbildende Maßnahmen wie z.B. der Austausch von Manöverbeobachtern. In der Bundeswehr wurde die Offizierausbildung reformiert durch Ein- führung des Pflichtstudiums, die Wehrdienstdauer auf 15 Monate gekürzt und die Anrede der Untergebenen geändert. Seither gibt es nur noch "Herren", keine Knechte mehr, um Dolf Sternberger zu zitieren.

Neue Waffensysteme wurden in die Truppe eingeführt: der Schützenpanzer Marder, der Jagdbomber Phantom und das Transportflugzeug Transall, alte Kameraden, die auch heute noch fahren und fliegen(sofern sie das noch können).

Ende der 70er Jahre drohte die so hoffnungsvoll begonnene Entspannungspolitik zu scheitern: wie schon 1962 in Kuba, stellte die Sowjetunion zahlreiche neue Mittelstreckenraketen auf. Die Rote Armee marschierte in Afghanistan ein. Das erwies sich als folgenschwerer Fehlschlag: der Westen reagierte trotz aller inneren Widerstände mit nuklearer Nachrüstung, und die Rote Armee erlebte in Afghanistan ein Debakel. Die UdSSR hatte damit den Kulminationspunkt ihrer Expansion überschritten - ein Problem aller expandierenden Großmächte wie z.B. des antiken Römischen Reiches, aber auch heute der USA.

Die 80er Jahre brachten umwälzende Entwicklungen. Unter Reagans Präsidentschaft erstarkte der Westen wieder, und in der Sowjetunion führte Gorbatschows Versuch, das erstarrte kommunistische System zu reformieren, zu dessen Zusammenbruch und zum Auseinanderbrechen des Sowjetimperiums. Reagans vielbelächelter Appell: Herr Gorbatschow, reißen Sie die Mauer ein! fand im November 1989 seine von kaum jemandem noch für möglich gehaltene Erfüllung.

Mit der Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas veränderte sich die sicherheitspolitische Landschaft radikal: die Truppenstärken wurden drastisch reduziert (bei der Bundeswehr von 495.000 auf demnächst 25o.ooo Soldaten), alle nuklearen Planungen außer Kraft gesetzt, und an die Stelle der früheren Konfrontation trat jetzt die Zusammenarbeit deutscher Soldaten mit einstigen Gegnern, z.B. der polnischen Armee. Der Auftrag der Bundeswehr hat sich grundlegend gewandelt: mit dem Wegfall der Bedrohung durch konventionelle Streitkräfte ist auch die Aufgabe der Landesverteidigung zugunsten eines neuen Auftrages, der Teilnahme an friedenserhaltenden und friedenschaffenden Einsätzen weltweit, entfallen. Gleichzeitig ist mit dem Terrorismus eine neue Bedrohung aufgekommen, wobei noch offen ist, wie hierauf militärisch reagiert werden kann. Das alles greift tief in die Struktur der Bundeswehr ein. Die Truppe wird nicht mehr für Panzerschlachten ausgebildet. Stattdessen werden jetzt hochbewegliche Spezialkräfte wichtig. Auslandseinsätze gehören heute zum Alltag der Bundeswehr, über 120.000 Soldaten sind in den letzten l0 Jahren im Auslandseinsatz gewesen. Diese Einsätze sind nicht nur mit Gefahren, sondern auch mit erheblichen Belastungen für die Soldatenfamilien verbunden. Umso wichtiger sei es, so General Sude, daß sich die Soldaten dabei von einer breiten parlamentarischen Mehrheit und der Zustimmung der Bevölkerung getragen wüßten.

Bei allem Wandel aber bleibe der Beruf des Offiziers unverändert mit der Trias von geistiger Plattform, d.h. der Treue zur Verfassung, dem Einstehen für den militärischen Auftrag und der klassischen Aufgabe der Führung, Erziehung und Ausbildung der untergebenen Soldaten. Zur umstrittenen Wehrpflicht sagte der General, sie sei auch heute noch sinnvoll, da ein großer Teil der Zeit- und Berufssoldaten aus den Reihen der Wehrpflichtigen komme. Für Auslandseinsätze sei freilich eine bestimmte Ausbildungshöhe erforderlich, die aber bei längerdienenden Wehrpflichtigen ohne weiteres erreicht werden könne.

55 Jahre Geschichte im Zeitraffer! General Sude entwarf das Bild einer bewegten Zeit für Deutschland und seine Streitkräfte, einer Zeit voller Gefahren und Herausforderungen, aber auch voller Chancen. Der Zeitgenosse kann seinem Urteil, die Geschichte habe es gut mit uns gemeint, nur beipflichten. Möge es so bleiben!

Wolfgang Behringer

 

9. ALS-Akademie: Dr. Ulrich Marder referierte über:
Computer - die nächsten fünfzig Jahre

marder

Vor einem guten halben Jahrhundert hat Konrad Zuse den digitalen Computer erfunden. Zunächst wenig beachtet, hat wohl kaum eine andere Erfindung jemals in so kurzer Zeit fast alle Bereiche des Lebens verändert, wenn nicht gar revolutioniert. Grund genug, einmal zu fragen: Was geht hier eigentlich vor? Was treibt diese Entwicklung voran und warum scheint es immer schneller zu gehen?

In den letzten Jahren, zuerst anlässlich des 50. Geburtstags der "Association of Computing Machinery" (ACM) 1997 und später auch im Rahmen der Jahrtausendwende, haben sich viele namhafte Computer-Wissenschaftler dieser Fragen angenommen. Herausgekommen sind dabei zahlreiche Visionen, wie sich Computer in den nächsten Jahrzehnten weiterentwickeln und unser Leben verändern werden. Die Utopie von der "digitalen Unsterblichkeit" wurde erstmals wissenschaftlich untersucht.

Auf dieser Grundlage gibt der Vortrag einen Überblick über den gegenwärtigen Entwicklungsstand des Computers und seiner Software sowie der Weiterentwicklung, die in den kommenden Jahrzehnten erwartet bzw. für möglich gehalten wird.

 

Vollständige Präsentation mit 34 Seiten als PDF-Datei

 

8. ALS-Akademie: Dr. Dorothea Weltecke referierte über:
Vergessene Geschichte: Orientalische Christen im Mittelalter

weltecke

Am Mittwoch, dem 26. Februar um 19.30 Uhr lädt der Ehemaligenverein der Alten Landesschule Korbach zu einem weiteren Vortrag ein. Kurz nachdem die beiden Ingenieure Heinrich Schnell und Gerhard Zenke am Donnerstag, dem 20. Februar ab 19.00 Uhr über die Realisierung von Ingenieurprojekten referiert haben werden, kommt eine Historikerin im Musiksaal der ALS zu Wort. Frau Dr. des. Dorothea Weltecke (M.A.) wird über die syrischen Christen und ihre Kultur im Mittelalter berichten.

Nach ihrem Abitur 1986 an der ALS hat Frau Dr. Weltecke, die aus Neerdar stammt, Geschichte, Semitistik und Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin studiert. Ihr Interesse war besonders auf die Geschichte der Kirche im Spannungsfeld Orient-Okzident und das Verhältnis von Judentum und Christentum gerichtet. Neben Aufsätzen über die syrisch-orthodoxe Kirche im Mittelalter hat sie in ihrer Dissertation eine Studie über den Oberhirten der syrisch-orthodoxen Christen, den Patriarchen Michael I. von Antiochia (1126 - 1199) erstellt, der eine monumentale Geschichte der Welt mit dem Titel "Beschreibung der Zeiten" geschrieben hat. Wie eine wissenschaftliche Untersuchung dieser Sicht auf die Welt durchgeführt werden kann und welche Ergebnisse sie hervorbringt, soll der Vortrag zeigen.

Geschichtsschreibung erzeugt kein objektives Bild der Vergangenheit. Sie beschreibt die Welt aus einer bestimmten Perspektive. In unserer Vorstellung von Geschichte kommen die orientalischen Christen des Mittelalters nicht vor. Es scheint, als hätte es sie gar nicht gegeben. Dabei haben sie viele Jahrhunderte hohe Funktionen an den muslimischen Höfen bekleidet. Sie haben das Geschick des Vorderen Orients durch ihre wissenschaftliche Arbeit, durch Handel und in der Verwaltung mitgestaltet und vermittelt auch unsere Geschichte entscheidend geprägt: Die orientalischen Christen haben die antike griechische Wissenschaft - Philosophie, Naturphilosophie oder Medizin - im Unterschied zum Westen bewahrt und weiter entwickelt, ins Syrische übersetzt und von dort ins Arabische übertragen. Im Hohen Mittelalter gelangte diese Kenntnis vermittelt auch in den lateinischen Westen. Und sie haben das Wissenschaftsleben im Vorderen Orient noch im Islam lange mitgeprägt.

In Städten wie Damaskus und Aleppo trifft man immer noch auf christliche Ärzte. Über ihre eigenen Gesellschaften, über das Zusammenleben der verschiedenen christlichen Konfessionen in den großen Städten und auf dem Land, ist allerdings bisher wenig bekannt. Denn bis vor wenigen Jahren wurden etwa die syrischen Christen und ihre Kultur im Mittelalter abschätzig beurteilt; eine Erforschung lohnte anscheinend nicht. Das liegt unter anderem daran, dass ihre kulturellen Erzeugnisse zu großen Teilen untergegangen sind. Dafür sind vor allem die Verfolgungen im späten Mittelalter und in der Neuzeit verantwortlich. Erwähnt sei nur der Völkermord von 1915 an Syrern, Armeniern und Griechen. Wenige Bücher ihrer eigenen Geschichtsschreibung sind erhalten, oft nur in Fragmenten. Dazu gehört die "Beschreibung der Zeiten" des Patriarchen Michael I. von Antiochia.

Während des Studiums wurde Frau Dr. Weltecke mit einem Stipendium der "Studienstiftung des Deutschen Volkes" gefördert, das mit einer Promotionsförderung fortgesetzt wurde. Im Dezember 2001 erhielt sie für ihre Forschungen den Ernst-Reuter-Preis. Zur Zeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl von Prof. Dr. F. Rexroth für die Geschichte des Hohen und Späten Mittelalters der Universität Göttingen. Gäste sind zu dieser Veranstaltung des Ehemaligenvereins der ALS herzlich eingeladen, der Eintritt ist frei.

Dr. Ingrid Ochs

 

7. ALS-Akademie: Dipl.Ing. Heinrich Schnell, Prof. Dr. Gerhard Zenke referierten über:
Ingenieurberufe - Faszination und Anforderungen

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Zwei ehemalige ALS-Schüler, die nach dem Abitur beide an der Technischen Universität Darmstadt Maschinenbau studiert haben, kommen am Donnerstag, den 20. Februar um 19 Uhr in den Musiksaal der Alten Landesschule, um aus ihrer beruflichen Tätigkeit als Ingenieure zu berichten. Schüler und Schülerinnen der Klasse 12 der ALS haben eine Woche zuvor Gelegenheit, die Aufgaben- und Wirkungsbereiche von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern im Korbacher Werk der Continental AG kennen zu lernen.

Dipl.-Ing. Heinrich Schnell (Abitur 1960) und Prof. Dr.-Ing. Gerhard Zenke (Abitur 1964) referieren über das Thema "Technische Projekte realisieren - Faszination, Möglichkeiten der Gestaltung und Anforderungen an Ingenieure und Ingenieurinnen". Die Vielfalt der beruflichen Tätigkeit von der konstruktiven Gestaltung technischer Produkte, Entwicklung von Herstellungsverfahren und Steuerung aller Produktionsschritte im industriellen Alltag wird dabei skizziert.

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Gerhard Zenke stellt am Beispiel seiner fünfjährigen Tätigkeit im Flugzeugbau den ausgewählten Bereich der Planung und Steuerung von Großprojekten (Projektierung und Projektleitung) vor. Nach der Definition eines Projektes erfolgt die Darstellung der Neuentwicklung eines Flugzeuges aus Sicht der Projektleitung. Hierzu gehören die Aufgabengliederung, die Aufgabenteilung von Projektaufgaben (nach Industriepartnern, Projektmanagement und Fachanteil) sowie die konkrete Festlegung des Zusammenspiels im zeitlichen Ablauf von der Grob- bis hin zur Detailplanung. Die Hilfsmittel der Netzplantechnik werden dazu eingesetzt und erläutert. Nach Genehmigung und Anlauf des Projektes kommt es darauf an, die Planungen umzusetzen. Die vielfältigen Einsatzfelder und Anforderungen an die Ingenieure werden beispielhaft erklärt. Die Erkenntnisse aus erfolgreich realisierten Projekten sollen professionell dokumentiert werden. Sie dienen bei neuen, ähnlichen Projekten der Kosteneinsparung, der schnellen und gezielten Weiterentwicklung (z.B. Flugzeugfamilie) und der Optimierung.

Heinrich Schnell erläutert ein Projekt der Fabrikplanung, in dem die Verlagerung eines Produktionsbereiches an einen anderen Standort geplant wird. Ziel ist der reibungslose Anlauf der Serienproduktion zu einem bestimmten Termin unter Einhaltung der kalkulierten Kosten und ohne Störung des sonstigen Betriebsgeschehens.

Beide Vortragende gehen auf die Eignungs- und Anforderungskriterien für die zukünftigen Ingenieure und Ingenieurinnen ein. Es werden aktuelle Stellenanzeigen beispielhaft analysiert. Ziel ist es, einen Einblick in die heutigen und einen Ausblick auf die zukünftigen Einsatzgebiete zu geben. Gäste sind zu dieser Veranstaltung herzlich eingeladen, der Eintritt ist frei.

Friedhelm Brand

 

6. ALS-Akademie: Dipl.-Theologe Karsten Jung referierte über:
Jesus von Nazareth in historischer Perspektive

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Im Rahmen der Vortragsreihe „ALS-Akademie" referierte der Diplom-Theologe Karsten Jung, ehemaliger Schüler der Alten Landesschule (Abitur 1995) und jetzt wissenschaftlicher Mitarbeiter der Humboldt-Universität Berlin, über das Thema „Jesus von Nazareth in historischer Perspektive". Der Musiksaal des Gymnasiums war voll besetzt, als der Referent seinen wissenschaftlich fundierten Vortrag hielt.

Eingehend auf biblische Quellen und außerbiblische Darstellungen, nannte er zwei Kriterien der Jesusforschung. Zum einen das „Differenzkriterium": Was weder aus jüdischer Tradition noch aus der Gemeindefrömmigkeit erklärbar ist, ist authentisch. Zum anderen das „Plausibilitätskriterium": Authentisch ist, was auf dem Boden Galiläas zur Zeitenwende plausibel ist.

Nach aktuellem Erkenntnisstand lebte Jesus von 7 v. Chr. bis 30 n. Chr. Er hatte eine gemischte Anhängerschaft: einfache Leute wie Fischer und Zöllner, aber auch reiche Männer und sogar Frauen. Johannes, Bußprediger am Jordan, taufte ihn. Dieses Erlebnis bedeutete wahrscheinlich eine tiefe religiöse Erfahrung für ihn. In der Folgezeit laufen Johannes-Jünger zu Jesus über, Gemeinsamkeiten in der Johannes- und Jesusbewegung liegen in der Verkündigung vom Reich Gottes. Zwei Gesichtspunkte sind wesentlich: die Vorstellung dieses Reiches als eines umfassenden Heilszustands, der nicht beschrieben werden kann, da er nicht mythologisch ist, und die Aufforderung Jesu zur Umkehr: Tu Buße! Liebe deinen Nächsten bzw. deine Feinde!

Die Forschung bewertet beide Elemente unterschiedlich: Die europäische Forschung neigt dazu, die Verkündigung des Gottesreiches als Schwerpunkt anzusehen. Jesus ist danach ein Prediger der Endzeit. Die amerikanische Forschung gewichtet den zweiten Punkt, die Ethik, stärker. Damit wird Jesus zu einem jüdischen Weisheitslehrer. Gegner Jesu sind u. a. die Pharisäer, hingerichtet wird er durch die Römer auf Betreiben der Tempelaristokratie.

Von den biblischen Geschichten werden zumeist als historisch angesehen; Tempelkritik, Kontakt zur Bewegung Johannes des Täufers, Teile der Passionsgeschichte, Elemente zur Verkündigung. Anhand von Bildern erläuterte der Referent archäologische Zeugnisse aus der Zeit Jesu. Nazareth war ein armes, bäuerliches jüdisches Dorf in der Nähe der „Großbaustelle" Sepphoris. Diese Residenz des galiläischen Herodes Antipas, zur Zeit Jesu gebaut, lag nur sechs Kilometer von Nazareth entfernt. Möglich ist, dass Joseph, der Vater Jesu, dort als Zimmermann tätig war und Jesus selbst dieses Handwerk erlernte

Auch Kapernaum war eine rein jüdische Siedlung ohne römische Elemente, ein reines Fischerdorf. Hier wurde 1986 ein Boot aus dem l. Jahrhundert gefunden, das so genannte „Jesus-Boot". Viele biblische Geschichten sind mit der Erfahrungswelt der Fischer am See Genezareth verbunden. Die Fischerei bildete den Lebenserwerb der Menschen in Kapernaum. Hier entdeckte man auch ein Kirchengebäude aus dem 5. Jahrhundert, basierend auf Mauern des l. Jahrhunderts. Vermutet wird dort das Haus des Petrus, in dem Jesus eine Art Heimstätte hatte.

Jerusalem wurde von Herodes zu einer großartigen Stadt ausgebaut, was die Bilder eindrucksvoll belegen. Der Tempelkult spielte hier eine zentrale Rolle für die jüdische Theologie; er stand im Zentrum der Kritik Jesu. Dieser wandte sich gegen jede bloß äußere Form der Frömmigkeit: entscheidend sei die innere Einstellung.

Zeitgleich mit Jesus gab es eine ganze Reihe von Gruppen, die sich sowohl gegen den äußerlichen jüdischen Kult als auch gegen die Besatzung durch die Römer wandten. Eine dieser Gruppen war die Jesus-Gruppe, eine andere die der gewaltbereiten Zeloten. Ihr letzter Rückzugspunkt, die Festung Masada am Toten Meer, wurde nach kollektivem Selbstmord im Jahr 74 von den Römern erobert.

Eine Form gewaltfreien Widerstands übte die Sekte von Qumran. Dort finden sich klösterliche Anlagen, die 1947 entdeckt wurden. Das Leben der Qumran-Sekte weist Parallelen zur Jesus-Gruppe auf. So führte diese Sekte rituelle Reinigungsbäder vor Mahlzeiten durch, die eine Parallele in Taufe und Abendmahl haben. Sie ist jedoch von eher geringer Relevanz für die Jesus-Forschung, sie belegt aber die Vielfalt jüdischer Gruppen zur Zeitenwende.

Nach der Erläuterung dieser historischen Stätten zeigte der Referent auch ein Bild des Skeletts eines Gekreuzigten, bei dem noch Nagel und Holz erhalten waren. Dieser Fund Anfang der 90er Jahre ist für die Forschung von großem Wert. Im l. Jahrhundert wurden Tausende auf diese Weise umgebracht, nach dem jüdischen Krieg 70 bis 500 täglich. Die Hände wurden ans Kreuz gebunden und Fußgelenke mit Nagern angeschlagen. Meist handelte es sich um Angehörige armer Schichten, die nach ihrem qualvollen Tod verscharrt wurden. Am Punkt der Auferstehung zeigt sich die Grenze der historischen Forschung. Man kann weder beweisen, dass die Auferstehung erfolgt ist, noch dass dies nicht der Fall war.

Was genau vor rund 2000 Jahren mit dem Begriff Auferstehung gemeint war, kann heute nicht mehr geklärt werden. Dazu Karsten Jung: Vielleicht ist Auferstehung der Versuch, zum Ausdruck zu bringen, dass sich im Verhältnis Gott -Welt etwas geändert und dass diese Änderung über den Tod Jesu hinaus Bestand hat.

(Quelle: WLZ vom 30.12.02)
 

5. ALS-Akademie: Matthias Keudel
„Dot com Good bye??”–

Packende Einsichten in die Internet-Branche auch für Nichtfachleute

mkeudel

Als der Leiter der Alten Landesschule, OStD Karl-Heinz Keudel, den Referenten der jüngsten ALS-Akademie begrüßte, konnte er sich gleich mehrfach freuen: über einen hochkarätigen Referenten und ehemaligen ALS-Schüler und darüber, dass sein Sohn Matthias Keudel anlässlich dieses Vortrages auch einmal wieder mit Frau und Kind zu Besuch in Korbach war.

Von Schülern der Klasse 10 bis hin zu ehemaligen Schülern und Kollegen waren die verschiedensten Generationen vertreten. Die ca. 35 Zuhörer konnten erleichtert feststellen, dass ihnen ein allgemeinverständlicher Vortrag mit Power-Point-Präsentation geboten wurde, in dem die hoch komplizierte Materie sehr gut verständlich und sogar spannend und unterhaltsam vermittelt wurde. In erster Linie ging es um die Beschreibung und Analyse der wirtschaftlichen Entwicklungen im Internetbereich.

Zwei Tage später stand Matthias Keudel während der Unterrichtszeit noch ca. 45 Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 11 und 12 für Nachfragen und zur Diskussion zur Verfügung.

Zum einen: In kaum einer Branche hat es jemals einen so atemberaubenden kometenhaften Aufstieg gegeben wie in der Internetbranche und einen ebenso atemberaubenden Absturz. Dies spiegelt sich im Rückgang der Börsennotierungen der Internet-Firmen vom Zenit der Entwicklung im Frühjahr 2000 bis heute. Wertrückgänge von bis zu 94% sind zu verzeichnen. Dennoch ist dieser Markt nach wie vor einer, der trotz der ansonsten schwachen weltweiten wirtschaftlichen Entwicklung immer noch mit zweistelligen jährlichen Zuwachsraten wächst. Man könne also angesichts des gigantischen Crashs eher davon reden, dass nun eine Normalisierung der Entwicklung stattfinde, keineswegs jedoch davon, dass diese ein Ende gefunden habe.

Am Ende der Veranstaltung, als der Vorsitzende des Ehemaligenvereins den Dank an der Referenten und an die Zuhörer aussprach, war der einstündig konzipierte Vortrag durch Zwischenfragen und Diskussionen eine halbe Stunde länger geworden und hatten weitere Nachfragen und Diskussionen eine weitere halbe Stunde angedauert - Spannung bis zum Schluss!

Robert Gassner

Aufstieg und Fall in der Internet Branche

Der kometenhafte Aufstieg und der tiefe Absturz der Internet-Branche war Thema eines Vortrags an der Alten Landesschule am Mittwoch. Matthias Keudel hielt das Referat im Rahmen der ALS-Akademie.

Der 34-Jährige studierte nach seinem Abitur an der ALS 1987 zunächst in Darmstadt Wirtschaftsingenieur. 1995 ging er zu einem Aufbaustudium an die kalifornische Universität in Berkeley und war plötzlich mittendrin in der Intemet-Euphorie. „Ich wurde davon regelrecht erschlagen”, sagte Keudel. Hausaufgaben wurden per E-Mail verschickt. Das Computer-Center für die Studenten habe die Ausmaße der ALS-Pausenhalle gehabt.

Zwei Jahre studierte Keudel in Kalifornien. Er schloss mit dem begehrten MBA (Master of Business Administration) ab und wurde von der Bertelsmann AG angeheuert. Mit der Schilderung seiner beruflichen Erfahrungen machte er die Wirkung des Internets für die Korbacher Zuhörer anschaulich. So habe die BMG (Bertelsmann Music Group) mit Hilfe des weltweiten Datennetzes gezielt Informationen über die damals noch unbekannte Britney Spears verschickt. Ergebnis: Als die erste Platte des Teenie-Stars erschien, war sie bereits zwei Millionen Menschen bekannt. Später habe die direkte Kommunikation mit den Fans zur weiteren Vermarktung des Stars beigetragen.

Auch die neuen Unternehmersorte der New Economy wusste Keudel aus der Firmenerfahrung zu schildern. So wurde der Gründer des Internet-Buchhandels amazon.com, Jeff Bezos, von den Bertelsmännern aus dem Griechenlandurlaub per Learjet nach Gütersloh geholt, um über den Verkauf seines Unternehmens zu verhandeln. Die Gütersloher Schlipsträger staunten nicht schlecht, als der millionenschwere US-Unternehmer im Outfit des Rucksacktouristen aus der Maschine stieg.

Die weniger originelle Seite erlebte Keudel ebenfalls. So sollte er für Bertelsmann mit einem jungen Mann über dessen Einstellung im Unternehmen sprechen. Der Kandidat entschied sich jedoch zunächst für ein Praktikum beim Internet-Auktionshaus ebay.com. Nach drei Monaten kam er zurück nach Deutschland, kopierte die ebay-Idee und gründete mit Brüdern und Freunden eine deutsche Variante. Wieder drei Monate später kaufte das Original das Unternehmen für 30 Millionen Mark ...

An den großen Stars der Branche zeigte Keudel die enorme Wertsteigerung der Unternehmen bis zum drastischen Kursverfall. Im Anschluss an den Vortrag wurde im Musiksaal der Alten Landesschule lebhaft über die Zukunft des Mediums Internet diskutiert. Fazit: Das weltweite Netz wird an Bedeutung für Verbraucher und Handel weiter zunehmen, aber nicht alle anderen Kommunikationsmöglichkeiten und Medien verdrängen.

Quelle: WLZ vom 18.10.2002

 

4. ALS-Akademie: Marc Müllenhoff:
Gestern Meer - Heute Land

Vollständiger Vortrag mit Bildern als PDF-Datei

 

3. ALS-Akademie: Sven Bökenschmidt
Der Schlüssel zur Datierung der Korbacher Spalte

Siehe auch die neue Internet-Seite zur Korbacher Spalte von Sven Bökenschmidt Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! und Marc Müllenhoff.

Am 7. Februar konnte die stattliche Zahl von rund 65 Zuhörern im Musiksaal der Alten Landesschule zum dritten Mal einen Vortrag im Rahmen der ALS-Akademie erleben. Die ALS-Akademie ist eine gemeinsam von unserem Verein und der Alten Landesschule getragene Vortragsreihe, in der in unregelmäßiger Folge ehemalige ALS-Schüler aus ihren Fachgebieten referieren. Dieses Mal referierte der Diplomgeologe Sven Bökenschmidt (Abitur 1989) zum Thema „Die Korbacher Spalte. Entstehung und Geschichte einer Fossillagerstätte" aus den Forschungsergebnissen, die er im Rahmen seiner noch nicht vollendeten Doktorarbeit gewinnen konnte. Im Folgenden werden wesentliche Aussagen des Vertrags zusammengefasst.

Die bei Korbach aufgeschlossene Korbacher Spalte ist eine der weltweit seltenen Fossillagerstätten, in denen Zeugnisse permzeitlicher Wirbeltiere (vor 250 Millionen Jahren) der Nachwelt überliefert sind. Die Fauna ist aus verschiedenen Gattungen und Arten von Reptilien zusammengesetzt. Die wichtigsten Fossilien gehören der Ordnung der im mittleren Perm erstmals auftretenden Therapsiden (säugetierähnliche Reptilien) an, die als Bindeglied zwischen den Reptilien und den Säugetieren gelten. Weiterhin wurden Fossilien von Archäosauriern (Vorfahren der Dinosaurier) gefunden und solche von Pareia-sauriern (ursprüngliche Reptilien). Einige dieser Tiere ähnelten in ihrem Bau bereits sehr stark den Säugetieren. Funde von permischen Therapsiden waren weltweit bis zur Entdeckung der Korbacher Spalte nur aus Südafrika und Russland bekannt. Der einzige Fund in Mitteleuropa waren Fußabdrücke im „Cornberger Sandstein" bei Bebra, in Schottland und in Südtirol.

Die interessantesten Fossilien aus der Korbacher Spalte gehören zur Therapsiden-gattung Procynosuchus. Dem Auffinden dieser Gattung kommt eine große erdgeschichtliche Bedeutung zu, da sie bisher lediglich aus Südafrika bekannt war. Ihr Vorkommen in der Korbacher Spalte unterstreicht die Existenz des Superkontinents Pangäa im Perm, der alle heutigen Kontinente vereinigte. Bei der Gattung Procynosuchus handelte es sich um ein ca. 60 cm langes Reptil von hundeähnlicher Gestalt.

Die Korbacher Spalte wurde bereits zu Beginn der 60er Jahre durch Herrn Dr. J. Kulick entdeckt, der damals beim Hessischen Landesamt für Bodenforschung in Wiesbaden als kartierender Geologe tätig war. Die große Bedeutung seiner Entdeckung war ihm damals noch nicht bewusst. Er hielt die Knochenfunde anfangs für die Relikte eiszeitlicher Säugetiere (1,5 Mio. Jahre alt). Erst 1988 gelang es den an der Universität Mainz tätigen Wissenschaftlern Prof. Dr. H. D. Sues und J. A. Boy, einen fossilen Kiefer mit einigen dazugehörigen Zähnen der oberpermischen Therapsidengattung Procynosuchus eindeutig zuzuordnen.

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Seitdem wurde die in der Sedimentfüllung der Korbacher Spalte enthaltene Wirbeltierfauna von Dr. E. Frey und W. Munk vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe in zahlreichen Grabungen untersucht. Ihnen gelang es auch, das Alter der Fossilfunde auf wenige hunderttausend Jahre genau zu datieren. Im Gegensatz dazu ist die zeitliche Einstufung der afrikanischen Fundstätten mit einer Genauigkeit von einigen Millionen Jahren sehr ungenau.

Das Gelände der Korbacher Spalte wurde im Sommer 1997 von der Stadt Korbach erworben und zum Schutz mit einem Dach versehen. Anlässlich des Hessentags 1997 in Korbach wurde im neuen, erweiterten Museum der Stadt Korbach eine Sonderausstellung zur Korbacher Spalte mit dem Titel „ Das Fenster zur Urzeit" aufgebaut. Über die Entstehung der Korbacher Spalte, über ihre Sedimentfüllung und über die Geschichte der Fossillagerstätte war bisher jedoch noch sehr wenig bekannt.

Unter der Betreuung seines Doktorvaters, Prof. Dr. Heinrich Zankl, erkundete Sven Bökenschmidt die geologische Geschichte und den Verlauf der Korbacher Spalte in Zusammenarbeit mit dem Institut für Geologische Gemeinschaftsaufgaben in (Hannover) mit Hilfe geophysikalischer Methoden. Hierbei wurden Gesteinseigenschaften wie Magnetismus und elektrische Leitfähigkeit kartiert und auch Bodenradar eingesetzt. Die verschiedenen Methoden brachten übereinstimmende Ergebnisse, die den Verlauf der Korbacher Spalte nach Westen ermittelten.

Südlich von Korbach konnte bei Dorfitter ein gut erschlossenes Straßenprofil mit einer Abfolge von Zechsteinsedimenten bearbeitet werden. Dort entdeckten Sven Bökenschmidt und Dr. Heiner Heggemann vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie ein Spaltensystem, das mit gelben karbonatischen Schluffsteinen gefüllt ist, die ebenso wie die Korbacher Spalte aus dem Oberperm stammt. Aus den Sedimenten der Spaltenfüllung konnten Knochenfragmente geborgen werden, die mit den Knochenfunden aus der etwa 2,5 km entfernt liegenden Korbacher Spalte vergleichbar sind.

Während jedoch das ursprünglich vor 250 Mio. Jahren über der Korbacher Spalte liegende Gestein, das für eine genauere Datierung notwendig ist, schon im Laufe der Erdgeschichte abgetragen worden war, ist dieses über den bei Dorfitter entdeckten Spalten noch vorhanden. Es liefert nun den Schlüssel zur Datierung der Korbacher Spalte und zur Erforschung des damaligen Lebensraumes der Wirbeltiere bei Korbach.

Zur langfristigen Sicherung der Grabungsstelle in Dorfitter, die für Führungen und wissenschaftliche Untersuchungen offen gehalten werden soll, ist in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Vöhl die Errichtung einer Überdachung geplant. Herr Bökenschmidt hofft auf Unterstützung bei Planung und Baumaterialbeschaffung durch interessierte Bürger. Sollten sich Interessenten aus unserem Verein finden, werden sie gebeten, sich an den Vereinsvorsitzenden zu wenden.

Robert Gassner

 

2. ALS-Akademie: Dr. Eberhard Stock, Landeskirchenrat
Bioethik und christliches Menschenbild

Einführung und Thesen als PDF-Datei

 

Thesen zum Vortrag:

  1. Viele Bereiche, die bisher durch menschliches Handeln nicht verändert werden konnten, sondern diesem als Bedingungen vorauslagen, werden heute selbst Gegenstand von Handeln.
  2. Die moderne Gentechnik verändert diese Situation nicht nur quantitativ sondern qualitativ, insofern sie das handelnde Subjekt selbst in seiner leiblichen Verfasstheit zum Objekt technischen Handelns macht.
  3. Dieser enormen Erweiterung von Handlungsmöglichkeiten korrespondiert ein steigender "Bedarf" an Ethik.
  4. Die zunehmende Notwendigkeit der ethischen Begründung von Handlungsalternativen trifft in der gegenwärtigen Gesellschaft jedoch auf eine Pluralisierung von Wirklichkeitsverständnissen, die häufig zu konkurrierenden ethischen Entscheidungen führt.
  5. Sollen bestimmte Positionen nicht einfach mit Hilfe von Macht durchgesetzt werden, so muss ein ethischer Diskurs geführt werden, in dem alle am Diskurs Beteiligten bereit sind, das jeweilige Verständnis der Wirklichkeit und insbesondere das Verständnis vom Menschen offen zu legen. Erst mit der Einsicht in diese Voraussetzungen werden die Implikationen der jeweiligen ethischer Urteile abschätzbar.
  6. Exemplarisch wird am Verständnis des Menschen deutlich, wie im Bezug auf die Bestimmung des Anfangs und des Endes menschlichen Lebens nicht-ethische Prämissen ethische Entscheidungen steuern.
  7. In einer christlichen Sicht wird der Mensch als Geschöpf, näherhin als Person in einem spezifischen Sinne bestimmt. Mit der Gottesrelation wird dem Menschen eine spezifische Würde zugesprochen, die kategorisch gilt und die weder durch Macht noch durch Übereinkunft von Menschen aberkannt werden kann.
  8. Diese Würde hängt nicht von Fähigkeiten oder Leistungen ab, sondern ist von Beginn des individuellen Menschseins gegeben.
  9. Beginnend mit der Verschmelzung von Eizelle und Samenzelle entwickelt sich der Embryo nicht zum Menschen, sondern als Mensch. Deshalb kann keine Handlungsweise ethisch gerechtfertigt werden, die ein menschliches Individuum allein und ausschließlich als Mittel zu einem Zweck behandelt, und mit Blick auf diese Zweck-Mittel-Relation das Lebensrecht dieses menschlichen Individuums zur Disposition stellt

 

1. ALS-Akademie: Prof. Dr. Heinz-Werner Küthe:
Embryonenforschung

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 Aufsatz als PDF-Datei